Posts mit dem Label hausarbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label hausarbeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 21. Juli 2012

Hand- und Hausarbeit 8: Strom

Hier geht es um etwas Nützliches, Strom, das Austauschen von Steckdosen. Etwas das aus den letzten Monaten hochkommt.

Diese ganzen Geräte, mit denen man sich umgibt, brauchen Strom, den sie nur dann bekommen, wenn sie an eine Steckdose angeschlossen werden. Eine Steckdose ist mehr als nur die schicke oder weniger schicke Plastikabdeckung, darunter geht es weiter. Eine Steckdose stellt das Interface dar, das alle mehr oder weniger nützlichen Geräte der häuslichen Räume mit den wilden Verkabelung dahinter verbindet.

Die äußere Hülle wird bei allen Steckdosen gleich entfernt: In der Mitte gibt es einen Schraube, die muss herausgeschraubt werden. Meistens passiert nicht viel – man hat nur eine Schraube. Allerdings kann dann die Plastikabdeckung heruntergenommen werden. Oft: Den Schraubenzieher vorsichtig zwischen Plastik und Wand drucken und Hebelwirkung.

Damit hat man den unterliegenden Teil der Steckdose freigelegt. Ach ja: Ist der Strom ausgeschalten (Hauptschalter umlegen, am besten kurz testen mit einem Lichtschalter oder so was und laut rufen „Strom ist aus!“)? Beim diesem unterliegenden Teil gibt es an der linken und rechten Seite jeweils eine Schraube. Das sind zwei längere Schrauben, die eine Klemme fixieren, die wiederum die Steckdose in das Loch in der Wand hineinklemmt. Diese beiden müssten gelockert werden. Dann sollte auch der untere Teil aus dem Loch in der Wand geholt werden können.

Strom ist ja aus, oder? Bei einigen Steckdosen hängen drei Kabel in bunten Farben dran, in anderen ein Kabelcthulhu der aus der Wand tentakelt. Ziehen, drücken und schrauben, damit sich die Kabel lösen.


Bei dieser Steckdose müssen alle Schrauben locker gedreht werden, damit die Kabel gelöst werden können!


Bei den neuen Steckdosen schauen die Anschlüsse mit Sicherheit anders aus als bei den alten. Angeschlossen werden die Kabel nach folgendem Verfahren: Die gelb-grünen Kabeln, das sind die Erdungen, an die Anschlüsse in der Mitte anstecken (es muss irgendetwas geben, das sich als „die mittleren Anschlüsse identifizieren lässt). Danach die anderen Kabel links und rechts davon anschließen, im Idealfall gleiche Farben auf gleiche Seite.

Sortiertes Gekabel

Nicht immer sind die Farben so wie im Foto! Einmal waren sechs Kabel da, zwei waren als Erdungen identifizierbar und die anderen vier hatten vier andere Farben – was tun? Nun, die Kabeln kamen in dem Steckdosenloch in der Wand aus zwei verschiedenen Löchern, eines oben und eines unten. Das muss dann so angeschlossen werden, dass links ein Kabel aus dem oberen Loch und eines aus dem unteren Loch hängt. Und rechts dasselbe: ein Kabel von oben, eines von unten. Irgendwas mit Stromkreis.
Und wenn es nicht passen sollte, merkt man es spätestens beim Wiedereinschalten des Stroms am Sicherungskasten.

Dann alles wieder rückwärts: Die neue verkabelte Steckdose hineindrücken, darauf achten, das kein angeschlossenes Kabel wieder herausfällt. Die beiden Schrauben mit den Klemmen links und rechts hineinschrauben, damit die Steckdose gut festhält, dann die Plastikabdeckung festschrauben. Je nach Modell kann es Zwischenschritte geben, wenn noch irgendwelche Metallteile hineingesteckt oder fixiert werden müssen, das steht eh in einer mitgelieferten Anleitung.

Ja, und bei Lichtschaltern ist das genau gleich; bei Sat-Steckdosen etwas anders.

Am Ende, voilà, können sich schon alle über schicke neue Steckdosen und Lichtschalter freuen.




Etwa ein Drittel der Verpackung

Donnerstag, 12. Juli 2012

Hand- und Hausarbeit 7: Beluga


Ich glaube, dass kleinen Amerikanern Gruselgeschichten erzählt werden, in denen es um Monster geht, die im Schrank leben. In Europa wäre das ganz anders. Da erzählt man nicht von Monstern im Schrank, da ist der Kleiderschrank das Monster.

Der monströse Kasten heißt Beluga Kleiderschrank vom deutschen Hersteller Rauchmöbel, zu kaufen gibt es diesen in mehreren Varianten z.B. beim Mömax, die Wartezeit beträgt sechs Wochen, wird nach der Hälfte aber auf insgesamt acht Wochen, d.h. zwei Monate verlängert.

Das Bizarre am Beluga Kleider- und Schlafzimmerschrank vom deutschen Hersteller Rauchmöbel ist, dass er – in der von mir gekauften Ausführung – in sieben Schachteln mit insgesamt drei verschiedene Anleitungen geliefert wird. Eine Anleitung ist hauptsächlich dem Kastenkorpus gewidmet, das ist das Außenskelett. Eine andere Anleitung ist hauptsächlich den Schiebetüren gewidmet und eine dritte Anleitung beschreibt die Montage der Türstopper. Die Türstopper sind extra dazugekauft, damit machen die Schiebetüren keinen tösenden Rums, sondern schließen sich elegant wie die Türen eines Fernsehraumschiffes.

(Wussten Sie: Das Geräusch der sich schließenden oder öffnenden Türen von Fernsehraumschiffen ist oder war häufig das Geräusch eines Blattes DIN A4 Papier, das aus einem Briefumschlag gezogen wird?)

Die Abbildungen in den drei Anleitungen widersprechen einander teilweise. Einmal so herum oder doch anders herum. Man weiß es nicht. Nicht weiter irritiert davon und auch nicht weiter irritiert davon, dass die Anzahl der mitgelieferten Schrauben in keiner der drei Anleitungen angegeben war, Beginn des Aufbaus. Das erste Bild, das erste Problem: In dem Plastikbeutel mit diesen und jenen Schrauben waren nur fünf Stück, anstatt der benötigen sechs Stück.

Bild 1 aus Anleitung 3

Anruf Mömax, Hinfahren, Schraube abholen, nette Möbelpacker Schraubenlager, zurückfahren, schrauben und weiter.

Das nächste Bild, das nächste Problem: Da müssten wieder Schrauben hineingeschraubt werden und davon gibt es gar keine. Schraubenzählung, etwa eine Stunde lang alle mitgelieferten Schrauben katalogisieren, alle benötigen Schrauben katalogisieren und die beiden Kataloge miteinander abgleichen. Das Resultat ist der folgende Zettel. Die orangen Zahlen bezeichnen fehlende Stücke.



Erneuter Anruf Mömax, Hinfahren, die Möbelpacker öffnen zwei Schachteln mit Schrauben aus dem Lager und wir gehen den Zettel durch und zählen Schrauben, wie Wozzek die Erbsen. Beim Holen eines neuen Pakets zähle ich die Schrauben im Sackel, die im 1. Bild benötigt werden und wieder sind fünf statt sechs Stück drinnen.


Diese Schrauben wurden nie benötigt waren aber bei der ersten Lieferung dabei. Sie liegen jetzt noch unter dem Bett.

Der Aufbau des Kastens hat drei Tage gedauert und jetzt steht er wie ein verspiegeltes Denkmal für Verschraubte. Und das einzige, das man sieht, wenn man ihn ansieht ist der eigene Blick im Spiegel. Passen Sie auf. Noli me tangere. Noli me legere. Noli me videre. Noli me -- Beluga, don't stop, don't slow down, just keep going. There's nothing there. Beware.

Montag, 16. April 2012

Hand- und Hausarbeit 6: Der desktruktive Charakter


Egal wie oft ich sie lese, Texte von Walter Benjamin gefallen mir immer wieder und immer wieder, wenn ich sie lese, verstehe ich darin nichts. Die unerledigte Arbeit konzentriert sich nunmehr insbesondere auf einen Raum, das ist die Küche. Ich bin in Kontakt mit Möbelmenschen, die Pläne und Skizzen für neue schicke Küchen entwerfen im Stil „modern“.
Die Fliesen an der Wand der Küche, dem Raum in dem sich die Arbeit künftig konzentrieren wird, sind dick und alt, nicht weiter schlimm, allerdings auch – im Weg. Wenn eine neue Küche in den Raum der alten Küche kommen soll, müssen die Fliesen von der Wand entfernt werden. „Zerschlagen!“ oder etwas der Art hat K. gerufen. Der destruktive Charakter von W. Benjamin fällt mir ein:

Der destruktive Charakter kennt nur eine Parole: Platz schaffen; nur eine Tätigkeit: räumen. Sein Bedürfnis nach frischer Luft und freiem Raum ist stärker als jeder Haß.

YouTube hat mir in diesem Fall nicht geholfen, nur Leute mit komplizierten elektrischen Werkzeugen, das habe ich nicht, außerdem „sind das ja nur ein paar Fliesen“, wie ich immer wieder gesagt habe. Handarbeit, und immerhin: Walter Benajmin.

Ich verwendete:
  • Einen Hammer – der mittelgroßen Sorte / kein Hämmerchen und nicht den vorstellbar größten Hammer; auf Englisch könnte man dem Hammer schon den brachialen Namen sledge hammer geben, aber ich kann ihn immer noch mit einer Hand halten.

  • Mehrere Stemmeisen – ein kurzes, und zwei lange (NB: ich dachte, man macht das mit einem Brecheisen, stimmt nicht! mit einem Stemmeisen. das ist ein Stück Metall, mit einem stumpfen und einem spitzen Ende; das kurze ist etwa 20 cm lang, das lange etwa 40 cm)

Das spitze Ende des Stemmeisens wird an die Kante einer äußeren Fliese zur Wand angelegt und dann mit dem Hammer auf das stumpfe Ende geschlagen. – eigentlich klar. Wie bei der Malerrolle muss auch hier mit Kraft gearbeitet werden. D.h. mit der linken Hand gegen die Kante der Fliese drücken, mit dem Hammer nicht nur Geräusche machen, sondern draufschlagen.
Man macht es richtig, wenn es einem Staub und Splitter ins Gesicht und Haare schleudert.

Der destruktive Charakter ist jung und heiter. Denn Zerstören verjüngt, weil es die Spuren unseres eigenen Alters aus dem Weg räumt; es heitert auf, weil jedes Wegschaffen dem Zerstörenden eine vollkommene Reduktion, ja Radizierung seines eignen Zustands bedeutet. Zu solchem apollinischen Zerstörerbilde führt erst recht die Einsicht, wie ungeheuer sich die Welt vereinfacht, wenn sie auf ihre Zerstörungswürdigkeit geprüft wird. Dies ist das große Band, das alles Bestehende einträchtig umschlingt. Das ist ein Anblick, der dem destruktiven Charakter ein Schauspiel tiefster Harmonie verschafft.


Das Problem bei den Fliesen war, dass die Fliesen in den 70er-Jahren nicht mit Kleber an die Wand montiert worden sind, sondern mit Beton auf den Ziegel. Und der Beton löst sich vom Ziegel wesentlich leichter als die Fliese vom Beton. Nach etwa 25 abgeschlagenen Fliesen löste sich ein halber Meter Beton einige Zentimeter von der Ziegelwand – neugierig hab ich daran gezogen und gemerkt, dass man so die ganze Betonmasse samt Fliesen von der Ziegelwand ablösen könnte.


Der destruktive Charakter ist immer frisch bei der Arbeit. Die Natur ist es, die ihm das Tempo vorschreibt, indirekt wenigstens: denn er muß ihr zuvorkommen. Sonst wird sie selber die Zerstörung übernehmen.

Vermutet und getan: Das lange Stemmeisen kann zwischen Beton und Ziegel geschlagen werden und irgendwann kracht die ganze Misere von der Wand herunter.
Besser übrigens Sie hämmern nicht, wenn andere Leute schlafen wollen und besser übrigens, sie schließen die Türen zum Raum. Lärm und Staub im verschwenderischen Überfluss.

Dem destruktiven Charakter schwebt kein Bild vor. Er hat wenig Bedürfnisse, und das wäre sein geringstes: zu wissen, was an Stelle des Zerstörten tritt. Zunächst, für einen Augenblick zumindest, der leere Raum, der Platz, wo das Ding gestanden, das Opfer gelebt hat. Es wird sich schon einer finden, der ihn braucht, ohne ihn einzunehmen.

Keine Tips kann ich zu den Fliesen in den Ecken geben. Immer wieder hämmern, mit dem Stemmeisen von dieser Seite, von einer anderen, das Stemmeisen in diesen Winkel fest andrücken und daraufschlagen, neu ansetzen, das Stemmeisen in jenen Winkel fest andrücken und daraufschlagen. Darauf achten, dass die Ziegel nicht kaputtgeschlagen werden. Immer wieder hämmern und neu ansetzen.

Der destruktive Charakter tut seine Arbeit, er vermeidet nur schöpferische. So wie der Schöpfer Einsamkeit sich sucht, muß der Zerstörende fortdauernd sich mit Leuten, mit Zeugen seiner Wirksamkeit umgeben.

Ob das Fliesenabschlagen eine Aufgabe für den destruktiven Charakter wäre? Ich weiß es nicht, weil ich den Text nicht verstehe. Das Bild, das mir vor Augen schwebt, mir schweben ja dauernd Bilder vor Augen, ist bereits hinter – also nach den unablässig, mit vor die Füße geschleuderten Trümmern der Fliesen: Die abgerissene Kante, die irgendwie (wie?) wohl wieder zu einer neuen ganzen verputzt werden soll. Und die aus der Wand stehenden Wasserrohre. Was ist damit?


Der destruktive Charakter ist gar nicht daran interessiert, verstanden zu werden. Bemühungen in dieser Richtung betrachtet er als oberflächlich. Das Mißverstandenwerden kann ihm nichts anhaben. Im Gegenteil, er fordert es heraus, wie die Orakel, diese destruktiven Staatseinrichtungen, es herausgefordert haben. Das kleinbürgerlichste aller Phänomene, der Klatsch, kommt nur zustande, weil die Leute nicht mißverstanden werden wollen. Der destruktive Charakter läßt sich mißverstehen; er fördert den Klatsch nicht.


Da ich nicht im Sinn von wegputzen vorhatte, aufzuräumen, glaube ich, der Parole des destruktiven Charakters gefolgt zu sein. Aber ich nenne das Fortschritt.

Der destruktive Charakter lebt nicht aus dem Gefühl, daß das Leben lebenswert sei, sondern daß der Selbstmord die Mühe nicht lohnt.

Vielleicht ist das auch die Tragik.

Freitag, 9. März 2012

Hand- und Hausarbeit 5: Der Riss 1

„Im Unterschied zu all den anderen Gegenständen […] war [der Riss, Anm.] […] etwas, das man nicht besitzen konnte; der Riss besaß einen, wenn überhaupt. Aber seine eigentliche Natur war die völliger Unbegreifbarkeit, jenseits aller Fragen von Besitz.“


Im Roman Die Frequenzen von Clemens J. Setz ist der Riss in der Beziehung zwischen Alexander Kerfuchs, einem der Hauptprotagonisten, und seinem Vater ein so zentrales Element, dass eines Tages ein solcher Riss in der Kellerwand zu sehen ist. Von Gaston Bachelard wissen wir, dass der Keller nicht nur Symbol für das Unterschwellig-Unbewusste sein soll, sondern das Unbewusste des Hauses ist.

Auf Seite 102 der fetten und teuren Residenz-Ausgabe der Frequenzen steht:

[Der Riss] erschien eines Morgens plötzlich an einer Kellerwand, erstreckte sich bis zum Rand eines alten Regals, in dem längst nicht mehr verwendete Geräte und Werkzeuge lagerten. Und vielleicht hörte er da auch auf.
Er tat es nicht.
Mein Vater, verschwitzt, seine Hände schmutzig und müde vom Verrücken des schweren Eisenregals, betrachtete das Ausmaß des Risses. Die ganze Wand entlang. Meine Mutter und ich standen im Hintergrund, hilflose Statisten, die auf das nächste Stichwort des Regisseurs warteten.
– Dreck, sagte mein Vater. Verdammter Dreck.
– Da hintern hört es vielleicht auf, sagte meine Mutter.
– Unsinn. Der geht immer weiter. Dass da die Wand ist, bedeutet nichts.“


Soll einmal eine/r so genau schauen dass sie/er alles sieht! Vielleicht hätte ein Sherlock Holmes oder Dr. House den Riss gesehen, ich aber nicht. Trotzdem war er da. Nicht an einer Wand, im Keller, sondern an der Decke des Schlafzimmers. Vom Bachelard wissen wir auch, dass die Vernunft (als Über-Ich) oben wohnt, im Idealfall im Dachgeschoss. Und jetzt wird es wild: Unten, dort wo man liegt, wenn man sich jemanden zu Füßen wirft, da unten liegt das Chaos, die Unordnung, das Unbewusste, das Menschliche (Georges Bataille würde das sofort bestätigen). Oben, dorthin wo man schaut, wenn man seinen Kopf nach hinten legt, um nachzudenken, da wohnt die Vernunft. Im Haus der Lüge von den Einstürzenden Neubauten wohnt sogar der erschossene Gott im Dachgeschoß!
Dort im Schlafzimmer, dem Zimmer des Schlafes, ist die Oberdecke von einem Riss durchzogen, der sich über jene Fläche zieht, zu der man hinaufschaut, wenn man die Vernunft sucht.
Der einzige Trost ist, dass Goya gesagt hat, dass der Schlaf der Vernunft (d.h. auch der Riss in der Vernunft) die Ungeheuer gebiert.

Im Gegensatz zu Holmes und House habe ich den Riss nicht gesehen, weil er mit bloßem Auge nicht zu sehen war. Stellenweise hatte die Decke des Schlafzimmers eigenartige Beulen und Ritzen. Ich bin mit einer Leiter hinaufgestiegen und hab gesehen, dass man seinen Fingernagel in die Ritze hineinstecken kann. Zerreisprobe Deckenfarbe – und eine doch recht große Scholle Farbe und Putz löste sich.

Anruf Verwandtschaft und der Ratschlag, die herunterhängende Farbe, das ganze Theater abzukratzen und das Darunterliegende mit einer Spachtel freilegen.

Wie man das große Problem freilegt, das hinter kleinen Problemen steckt.

Dienstag, 6. März 2012

Hand- und Hausarbeit 3: Ausmalen 3

Doing it right

Utensilien:
Spachteln
Schleifpapier
So kleine Holzstücke
Pinsel, große und kleine / Rollen, große und kleine
Stangen
Kreppband
Leiter(n)
Farbe
Kübel mit Wasser
Tücher, Putzfetzen
Gute Unterlagen
Handschuhe … wer nach dem Malen gleich ins Büro oder in die Lehrveranstaltung muss, sollte auch entsprechende „Arbeitskleidung“ tragen. Bei männlichen Bankern ist die Arbeitskleidung Anzug und Krawatte.
Irgendwas zum Umrühren, einen Holzstab – nicht zu dünn!
So Abrollplastik, das man in den Farbkübel steckt

Zur Einstimmung YouTube. Vor allem Herr Manfred Sänger von Hornbach gibt gute Ratschläge (auch wenn er nicht weniger nervt als die Elendsgestalten in den anderen Videos)







Vergewissern Sie sich dass tatsächlich alle Löcher verspachtelt sind. (die Löcher, die man übersehen hat, werden überpinselt) … außerdem haben sie das letzte Mal Gelegenheit, die vergessenen Stellen mit Kreppband abzupicken.

Zuerst müssen mit einem Pinsel die Deckenkanten gemalt werden. Genau genommen, muss zuerst alles bereitgestellt werden. Leiter aufstellen, darauf achten, dass die Leiternfüße die Folie nicht zerreisen (im Kellerabteil lagen alte Teppiche, zusammengeschnorrt habe ich mir auch riesige Pappendeckel).
Den Farbeimer aufmachen und kräftig umrühren. Ich habe keine Ahnung, was ich für eine Farbe verwendet habe, die K. hat gemeint „Die da passt“. Erstaunt war ich nur, wie scher so ein Eimer ist. 10 Liter Farbe und mehr als 10 Kilo? Ich denke schon.
„Dispersionsfarbe“ wird dazu gesagt, das ist ein schönes Wort, von dem ich allerdings keine Ahnung, was es bedeutet und erklärt hat es mir auch niemand. (genau genommen habe ich sogar „Disparsionsfarbe“ geschrieben, dann aber doch nach der richtigen Schriebweise gegoogelt.
Angeblich kann man die Farbe auch mit Wasser verdünnen.

Also:
Zuerst müssen mit einem Pinsel die Deckenkanten gemalt werden. Leiter, Eintunken, Anmalen. Die Farbe nicht zu dick auftragen!

Dann kommen die Decken dran: Dafür braucht man die Malerrollen (ein Werkzeug, das mE sehr interessant aussieht). Die Rolle kann am Teleskopstil montiert werden, auch wenn sie nicht so super hineinpasst. Das gute alte Kreppband verbindet Rolle mit Teleskopstil.
Das Arge am Ausmalen der Decke ist, dass die Rolle echt sehr fest angedrückt werden muss. Also sehr fest sogar. Ich hab das gemacht, wie Herr Hornbach erklärt hat: Zuerst die Farbe gerade einmal so, und einmal gleich so daneben auftragen. Dann längs (oder quer, das ist egal) verstreichen (FEST ANDRÜCKEN!) und dann noch einmal gerade (WIEDER FEST ANDRÜCKEN). K & ich der Meinung, dass es umso besser aussieht, je öfter man am Ende wieder gerade drübermalt.
Irgendwann tut einem alles weh vom Fest andrücken. Außerdem ist das irgendwie auch ärgerlich, weil die Farbe dauernd ins Gesicht spritzt: Wer denkt „ich gebe jetzt mehr Farbe auf die Rolle, damit es schneller geht und ich weniger eintunken muss“, dem klatscht mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich beim ersten abrollern ein Klatscher Farbe irgendwohin (ins Gesicht z.B.).
Furchtbar ist das! Wären die Räume noch größer, wer soll das aushalten? K. bemerkt, dass es kein Wunder sei, dass die Maler dauernd Bier saufen.

Dann die restlichen Raumkanten abpinseln. Wieder mit dem Pinsel. Zum Glück haben war schon alles abgeklebt!

Dann die Wände mit Farbe berollern. Im Gegensatz zur Decke macht das Spaß.

Probleme gab es mit den Moltifill-Stellen, weil die Farbe nicht richtig gegriffen hat und sich das ganze Theater von der Wand gelöst hat. Grund unklar. Vielleicht war das Gipszeug nicht richtig ausgehärtet? Oder die Farbe hat es wieder angefeuchtet? Oder die Rolle hat eine „Saugwirkung“, von der ich nichts wusste? Wie auch immer – mein Vorschlag: Wenn sie von der Verwandtschaft genug verschiedene Rollen zusammengeschnorrt haben, lassen sie die Moltofill-Stellen mit der großen Rolle aus und machen es mit einem Pinsel oder einer kleinen Rolle. Dabei nicht zu fest andrücken – dann sollte es klappen.

Vor wenigen Stunden hingen hier noch Kabel wilder Wandleuchten heraus.

Am Ende des Tages

Montag, 5. März 2012

Hand- und Hausarbeit 2: Ausmalen 2

Auf jede Kante wurde geschimpft!

Es macht Sinn, nicht zwanzig Mal zum Baumarkt zu fahren – also Kreppband und Farbe zusammen zu kaufen, trotzdem bleiben die Farbeimer vorerst noch zu. Das Prinzip divide et impera verlangt, dass man – um möglichst geschickt zu sein – die wenigen umfangreichen und schwierige Aufgaben in viele kleine aber leichte Teilaufgaben zerlegt. D.h. man klebt nicht alles zu, geht über zu Hand- und Hausarbeit 2 und fängt gleicht mit dem Kleckern an, sondern man macht Hand- und Hausarbeit 1 in allen Räumen, dann Hand- und Hausarbeit 2 in allen Räumen und dann erst beginnt man zu kleckern.

Erschreckend nur, dass die Dinge nur dann gut funktionieren, wenn man arbeitet wie es eine Maschine tun würde!

Utensilien:
Moltofill
Zangen (eine normale Zange, eine Rundzange oder Elektrikerzange)
Spachteln
Ein kleiner Kübel
vielleicht auch Schraubenzieher
Jemanden, der sich mit elektrischen Leitungen auskennt und eine Menge Werkzeug mitbringen kann


In Wänden steckt meistens viel Zeug drinnen – etwa Nägel. Diese müssen vor dem Malen entfernet werden. Suchen Sie die Wände nach Nägeln ab und ziehen Sie die Nägel mit einer Zange heraus. Das ist tatsächlich einfach, achten Sie beim Absuchen aber nicht nur auf die Wände, sondern auch auf Plafond und Wandnischen!
Möglicherweise finden Sie auch Dübel. – Dübel sind so etwas wie heimtückische Nägel, Plastik, das in der Wand steckt, damit irgendwas. Um Dübel zu entfernen, braucht man eine Rundzange oder eine merkwürdig gebogene Elektrikerzange. Diese Werkzeuge können sie irgendwo zusammenschnorren oder sonst im Baumarkt kaufen. Dübel hinterlassen irre große Löscher und eine Menge Dreck kommt mit heraus.

Ein Dübel an der Decke mit dem scheinbar eine Lampe montiert war: Ich hab da herumgezogen, aber nur das Plastik abgerissen. Der Plafond hatte schon ein großes Loch, der Dübel war weiterhin fest. Die eine K. hat mir für solche Fälle folgenden Insider aus der Baubranche (so sag ich dazu) erzählt: Holen Sie ein Schraube und schrauben Sie diese in den Dübel hinein. Wenn die Schraube feststeckt, ziehen Sie die Schraube samt dem Dübel aus der Wand (mit einer normalen Zange). Ich hab mich da ziemlich gewichtig an die Zange hängen müssen und bin dann schließlich zwar mit staubigem Kopf aber auch mit Zange, Schraube und Dübel in der Hand dagestanden.

Löcher und Gedübel.

Neben den soeben gezogenen Löchern, haben Wände noch weitere Löcher, z.B. solche, die keine weitere Erklärung haben („Warum ist da ein Loch?“). Die werden zugespachtelt!
Moltofil ist eine gipsartige Pampe, die man in Löcher schmieren kann, damit sie (die Löcher) verschwinden. Dafür brauchen Sie einen kleinen Kübel. Beim Baumarkt, wo ich das Kreppband noch nachgekauft habe, habe ich eine freundliche Dame gefragt, ob sie einen kleinen Kübel hat, zum Anrühren von Spachtelmasse. Sie hat irgendwie komisch geschaut und gesagt, dass „wir“ 10-Liter-Kübel haben. Ich habe gesagt, dass das zu groß ist und sie hat mit ihren Fingern auf einen Stapel mit Riesen-Kübeln gezeigt und gemeint „Da sind die 10-Liter-Kübel“. Und dann ist sie davongelaufen.
In der Putzabteilung habe ich um 3 Euro einen Schreibtischmülltonne gekauft, die irgendwie ganz lustig ausgesehen hat. Den Deckel hab ich abgenommen und die Mülltonne dann für das Moltofill verwendet.
Wie man das abrührt, steht auf der Packung: 1 Teil Wasser, 2 Teile Moltofill … im Prinzip aber egal, wie viel Wasser man hineingibt … braucht dann halt länger zum Trocknen.

Mit einer Spachtel möglichst geschickt das Moltofill in die Löcher schmieren und verspachtelt. Mir hat das Spaß gemacht. Die Gipspampe braucht länger zum Trocknen als es auf der Packung angeschrieben steht. In zwei Stunden geht da noch gar nichts (auch wenn man es richtig angerührt hat).
Wenn Sie zu viel Herumtrödeln und die Pampe im Kübel zu hart und trocken wird: Wasser nachgießen.

Sehen Sie die verklebten Türstöcke Türstöcke? Sehen Sie auch das Loch, das verspachtelt werden muss? Nie vergessen, den Plafond und die unzugänglichen Ecken abzusuchen!

Es könnte sein, dass Ihnen erst jetzt die Frage kommt, was dieser Lichtschalter eigentlich ein und ausschaltet. Licht? An meiner Wand waren eigenartige Wandleuchten. Mir wurde gesagt, dass Kabel offiziell nur gerade, also vertikal oder horizontal verlegt werden dürfen. Mit dem Zusatz „offiziell“ – so gesagt, dass man die Anführungszeichen förmlich hören könnte. Wandleuchten finde ich eigenartig, was also tun?
Verwandschaft, insbesondere Väter kennen sich scheinbar mit elektrischen Leitungen aus. Manche Väter besitzen auch Metalldetektoren für Kabel in der Wand und Messgeräte für Spannung oder Stromkreise oder so ähnlich. Stellen Sie eine Frage wie „Welche Kabel müssen da entfernt werden?“ und stellen Sie eine Leiter in erreichbare Nähe. Ich staune, welche Kabeln aus der Wand kommen können, wenn man daran zieht.
In etwa 15 Minuten lagen die zahlreichen Kabel, die früher noch aus den Löchern der Wandleuchte gestanden sind, am Boden herum. Nicht vergessen den „FI“ auszuschalten. Das ist ein Schalter im Zählerkasten, der den ganzen Strom deaktiviert. Wikipedia verrät mir: „In der Abkürzung FI steht F für das Wort Fehler und I ist das Formelzeichen für den elektrischen Strom“

Mit Hilfe dieses Kabels konnten die Vormieter/innen RTL und PRO7 schauen.

Wenn Sie den Strom gerade ausgeschalten haben, montieren Sie auch Steckdosen und Lichtschalter ab. Mir hat meine Schwester gezeigt wie das geht. Steckdosen haben eine Schraube in der Mitte, die kann abgeschraubt werden. Das Plastik kann dann mit den Fingern von der Wand abgenommen werden.
Für Lichtschalter braucht man fast nur die Finger, allerdings gibt es verschiedenen Arten von Schaltern: Bei solchen mit großen Schalternflächen: Die große Schaltfläche kann tatsächlich herausgezogen werden, so ruck-zuck mit den Fingern. (so als ob sie den Schalter ewig nach oben kippen wollen). Dann die Plastikabdeckung abnehmen … entweder auch mit den Fingern oder mit einem Schraubenzieher odgl. am Rand nach außen heben. Achtung: Machen Sie das besser am unteren Rand, weil Kratzer oder sonst was entstehen können.
Bei den Schaltern mit den kleinen Flächen, „Kippschalter“, sage ich dazu, zuerst die größere äußere Abdeckung herunternehmen. Ich hab das nicht kapiert und gleich den ersten Kippschalter abgebrochen. Der kleine Pastikteil vom Kippschalter geht gar nicht aus der Wand nehmen, weil das alles irgendwie ein Teil ist. … Keine Ahnung ehrlich gesagt, darum hab ich mich noch nicht gekümmert. Kennt jemand hübsche Steckdosen und dazu passende Lichtschalter?


Außerdem müssen auch die Lampen abmontiert werden … Theoretisch können die auch hängen bleiben, aber mein Ratschlag ist: Schalten Sie das Licht aus, nehmen Sie Ihre Lampen ab. (sobald sie mit den Rollenpinseln und der Farbe herumkleckern werden Sie auch wissen warum)

Es kann auch sein, dass Ihnen erst jetzt auffällt, dass die Dinger, an denen die Vorhänge befestigt worden sind kaputt oder alt oder dreckig sind. Ohne große Probleme können diese Dinger abmontiert werden. „Kanischen“ wird dazu gesagt. Dafür brauchen Sie z.B. einen großen Schlitz-Schraubenzieher. Geht erstaunlich leicht entfernen, wird aber wohl noch viel Arbeit machen.

Sonntag, 4. März 2012

Hand- und Hausarbeit 1: Ausmalen

Die eine K. meint, alle Wände einreißen zu müssen, die andere K. meint, dass keine Arbeit eine Arbeit sei. Und bevor Sie sich beklagen, dass der Titel des Postings mehr verheißt, als sein Inhalt hergibt: Noch bevor Sie mit Hand- und Hausarbeit 1 fertig sind, werden Sie vergessen haben, was in Hand- und Hausarbeit 2 steht.

„Ausmalen“ klingt fröhlich und einfach. „Ausmalen kann ein Idiot“, hat K. heute gesagt, genau so wie Heiner Müller vor seinem Tod gesagt hat „Sterben kann ein Idiot“. Ich kenne „Ausmalen“ von den Malbücher; da sucht man sich einen lustigen Buntstift aus und kritzelt vor sich hin. Dass das Ausmalen von Räumen Arbeit für die Knochen ist, kommt damit überhaupt nicht zur Geltung.

Utensilien:
Kreppband, Folie, Schere

Es gibt eine Mr. Bean Episode, bei der Mr. Bean ausmalt. Zuerst wickelt er alles in seiner Wohnung in Zeitungspapier ein: Sessel, Tische, Regale und sogar seine Weintrauben. Tatsächlich müssen Sie das auch machen.

Vorbereitung

Kreppband bekommt man im Baumarkt in verschiedenen Breiten. Fünf Euro kostet eine breite Rolle mit so ca. 5 cm. Ich empfehle die breite Rolle.
Folie kann man sich von Verwandten zusammenschnorren, die so etwas im Kellern herumstehen haben (die meisten Verwandten haben auch noch angebrauchte Kreppband-Rollen im Keller, die geben aber meistens nicht viel her, weil sie entweder schmal sind oder schon alt und nicht mehr richtig kleben). Man kann auch alte Leintücher oder Papprollen oder so etwas statt Folie (oder zusätzlich!) nehmen. Wichtig ist, dass Sie etwas haben, das einigermaßen gut abdeckt und mehr oder minder undurchlässig für Flüssigkeit ist (das sind Leintücher zwar nicht aber sie werden sich ja nicht Kleckern wie ein Schwein).

Besorgen Sie sich genug Klebenband! Ich musste während des Klebens zum Baumarkt fahren und noch mehr Kreppband kaufen. Eine Rolle Kreppband pro Raum ist eine gute Angabe zum Schätzen. Was übrig bleibt, können auch Sie im Kellern verwahren!

Wenn alles beisammen ist, macht man im Prinzip das selbe wie Mr. Bean, es ist nur nicht so lustig. Am Boden herumliegen und Folie an die Sesselleisten kleben. Folie an die Türrahmen kleben. Heizkörper einwickeln und abkleben. Fenster abkleben. Etc. Für wenigstens einen Tag wird Ihr Sichtfeld auf wenige Quadratzentimeter beschränkt sein: Folie und Klebeband, abwechselnd vor dem Hintergrund Sesselleiste, Türrahmen, Fensterrahmen oder ähnliches.

Auf jede Kante werden Sie schimpfen!

So weit kommen Sie ohne Leiter.


Wussten Sie: Dass diese Folie doppelt zusammengerollt ist? D.h. man klebt ein Ende an die Sesselleiste und dann kann man die zweite Seite darunter hervorziehen. Ein Spektakel! Dabei die bereits geklebte Seite gut einhalten, sonst war die ganze Fitzlerei umsonst.

Am Ende des Sonnenlichts