Sonntag, 1. Mai 2011

Bonsai, 110501

Sie bestehen aus Holz oder Marmor, aus Plexiglas, Kunststoff oder Gusseisen und sind so hoch, dass man die daraufstehenden Pflanzen beim Sitzen etwa in Augenhöhe hat; so kommen sie besonders schön zur Geltung und können sich, ungehindert von Wand, Fenster oder anderen Pflanzen, gleichmäßig nach allen Seiten entwickeln. Durch Einzelstellung im Garten kommt er besonders schön zur Geltung.


Angenommen, da kommt wer und erzählt die Geschichte von Schneider:

Schneider ist schon seit langem tot. Aber als er noch gelebt hat, ist etwas Merkwürdiges mit ihm passiert. Er hat in einer Fabrik gearbeitet und hat dort Lederstücke zurechtgeschnitten, die dann zu Brieftaschen zusammengenährt worden sind. Im Krieg ist er am Kopf von einem Granatensplitter getroffen worden und seitdem funktioniert er nicht mehr so richtig.

Wie äußert sich das?


So
Gibt man ihm die Anweisung, seinen Arm zu heben, dann würde er auf seinen Arm schauen und ihn langsam – mit den Augen verfolgend – nach oben heben. Dabei setzt er seinen ganzen Körper in Bewegung und steht auf.
Und wenn man ihn sagt, dass er mit dem Finger auf seine Nase zeigen soll – also „Das ist meine Nase“ und mit dem Finger hinzeigen, dann wird er seine Nase dabei immer berühren. Wenn man ihn sagt, dass er seine Nase nicht berühren darf, sondern nur mit dem Finger darauf zeigen soll, dann wird er das nicht zustande bringen. Es hilf ihm auch nichts zu sagen, dass er so tun soll als ob nach seiner Nase greift und kurz vorher die Geste unterbrechen. Entweder berührt er seine Nase oder kann nicht auf sie zeigen.

Wenn man ihm am Rücken zugleich an drei verschiedenen Stellen berührt, kann er nicht sagen, an wie vielen Stellen er berührt worden ist. Wenn man ihm die Augen verbindet und sagt, dass er eine Bewegung machen soll, z.B. den Daumen abbiegen oder klatschen oder die Zahl drei zeigen, dann kann er das nicht.

Es ist aber erstaunlich: In seiner Lederfabrik schneidet er die Lederstücke zurecht und wenn er rotzig ist, kann er sich normal schnäuzen, wenn er von einem Insekt gestochen wird, kann er ohne hinzuschauen das Tier von der Hautstelle verscheuchen oder an seinem Körper erschlagen.

Was ist da los?

Was ist da los?

Freitag, 29. April 2011

Bonsai, 110429

Beim Referatschreiben über das Kapitel "Die Räumlichkeit des eigenen Leibes und die Motorik" in der Phänomenologie der Wahrnehmung von Maurice Merleau-Ponty. Ich verstehe davon kein Wort.

Mir wird der Vorwurf entgegengebracht, hier keine Basilikum-Fotos zu zeigen; wodurch ich mich aber nicht dazu veranlasst sehe, das profane Grün ins Internet zu posten. Ist auch kein basilbolo hier.
Könnte auch sonst auch die Zehennägel beim Wachsen fotografieren und ins Internet stellen.

Mehr Baum als Bonsai

Da geht auch nichts weiter.

Mehr Wald als Baum.

Donnerstag, 28. April 2011

Bonsai, 110428

Schön wäre etwas total unsinniges zu machen, der Regisseur fader Filme Andrei Tarkowski hat z.B. das gesagt: eine brennende Kerze von A nach B tragen.




Mittwoch, 27. April 2011

Bonsai, 110427

Ich habe am liebsten Sätze, die mit „ich“ anfangen.

Ich bin hier aber nicht auf Twitter. Und 180 Zeichen reichen manchmal nicht aus. Tumblr, dem ich (noch) nicht beigetreten bin, weil ich es nicht verstanden habe, reicht vielleicht auch nicht aus. Und thumblr ist entweder ungültig oder bereits belegt.

Ich, eher an Verfall interessiert als an Wachstum, werde wohl wieder dem Gras beim Wachsen zuschauen. Immer neu wächst Gras über die Grenze. Das Gras muß ausgerissen werden, wieder und wieder das über die Grenze wächst. ← Heiner Müller.



Wachstum oder Verfall?

Dienstag, 4. Januar 2011

2011, kommentarlos

2 Becher vom erstbesten Schlag Vanilleschote 2 Blätter Gelatine 50g Zucker (warm+weiß) Schlag auf mittlerer Stufe Mark herauskratzen aus V-Schote sobald Schlag warm V hinein 15 min köcheln (währenddessen gelatine in wasser einlegen) nach 15 minuten Schoten rausnehmen Gelatine aus wassser (ausdrücken) und hinein + in den Topf rühren bis sich alles auflöst.

best served cold

Sonntag, 24. Oktober 2010

Film: →



Das ist die Webversion von →
Zum einen ist die Qualität etwas reduziert, damit die Datei kleiner als 500MB wird und ich sie auf Vimeo hochladen kann; zum anderen ist das 3. Kapitel (das lustige) weiß überlagert, damit die abgefilmten Leute unerkannt bleiben. Beim eigentlichen Film ist das anders.
Mehr dazu demnächst auf th-web.at.

Kapitel 1
[Eine] Auffassung, zu der er nach allgemeiner Ansicht gelangt sein muß, als er einige alte Filme untersuchte, die wahrscheinlich seinem Neffen gehörten.[2] Von dieser Voraussetzung ausgehend, bestreitet er die Wirklichkeit oder Wahrheit jeglicher Progression und natürlichen Reihenfolge des Lebens, verneint, daß die Zeit als solche im überkommenden Sinn vergehen kann, und verbannt das allgemein erfahrene Gefühl der Progression ins Reich der Halluzinationen, zum Beispiel bei einer Reise von einem Ort zum anderen oder sogar während man »lebt«. Wenn sich jemand in A aufhält, erläutert er, und wünscht sich an dem entfernten Ort B aufzuhalten, so kann er das nur dadurch bewerkstelligen, daß er sich unendlich kurze Intervalle lang an unzähligen dazwischen liegenden oder intermediären Orten aufhält. Daher besteht kein essentieller Unterschied, ob man sich vor Antritt der »Reise« in A aufhält, oder ob man »unterwegs« ist, d.h. sich an diesem oder jenem intermediären Ort aufhält. Über diese »intermediären Orte« verbreitet er sich in einer längeren Fußnote. […] Für die Illusion der Progression macht er die Unfähigkeit des menschlichen Gehirns […] verantwortlich, die Realität dieser separaten »Aufenthalte« anzuerkennen; statt dessen ziehe man es vor, Millionen von ihnen zusammenzufassen und das Resultat Bewegung zu nennen, ein völlig unvertretbares und unmögliches Vorgehen, da auch nur zwei verschiedene Positionen nicht von einem Körper gleichzeitig eingenommen werden können. Daher ist Bewegung ebenfalls eine Illusion. Er erwähnt, nahezu jede Photographie sei der schlüssige Beweis für seine Lehren.

2 Hier handelt es sich offensichtlich um dieselben Filme, von denen er in Golden Hours (S. 155) erwähnt, sie hätten »ein ausgeprägtes repetitives Element« und seinen »ermüdend«. Er hatte sie augenscheinlich Bild für Bild untersucht und war von der Annahme ausgegangen,
sie würden in ebendieser Weise vorgeführt, da ihm zu jener Zeit das Prinzip des Kinematographen noch unklar war.


Flann O’Brian (2006). Der dritte Polizist (S. 68-69). Zürich: Kein & Aber.


Kapitel 3
WEISSE ELEFANTEN – der Gott von Hollywood wollte weiße Elefanten, und er kriegte sie: acht Mammuts aus Gips, die auf Riesenpilzen hockten und auf den kolossalen Palast Belsazars herabblickten, das Pappmaché-Babylon neben dem staubigen Trampelpfad für Tin-Lizzies: Sunset Boulevard.
Griffith – der Regisseur als Gott – schwebte höher als je zuvor, und höher nie wieder, über der Traumstadt auf einem dreißig Meter hohen Kameraturm, ein gigantisches Megaphon in der Hand, bereit, den Tausenden da unten den Befehl zu geben, der alles zum Leben erwecken sollte: CAMERA-AH ACTION-N-N!
Belsazars Fest unter den blauen Himmeln Ägyptens, ausgebreitet unter der strahlenden Morgensonne Südkaliforniens: mehr als viertausend Statisten, in Los Angeles für zwei lausige Dollar pro Tag plus Fahrgeld und Verpflegung angeheuert, um assyrische und medische Krieger darzustellen, babylonische Tänzerinnen, Äthiopier, Inder, Numidier, Eunuchen, Hofdamen der geliebten Prinzessin, Tempelsklavinnen von Babylon, Baalpriester, Priester der Nergal, des Marduk und der Astarte, Sklaven, Adlige und Volk von Babylon.
Griffiths babylonische Vision!
Ein Wolkenkuckucksheim von Gerüsten, hängenden Gärten, Wagenrennbahnen und himmelhoch ragenden Elefanten, eine künstliche Fata Morgana Mesopotamiens hatte sich mitten in dem verschlafenen Haufen von Bungalows im Missionsstil unter den Orangenhainen ausgebreitet, der das Hollywood von 1915 darstellte: Zeichen für das, das da kommen sollte.
Und Große Morgen waren angebrochen.
Und da blieb es noch jahrelang stehen, Strandgut eines zerschellten Traums von gigantischem Ausmaß neben dem Sunset Boulevard. Lange nachdem Griffiths großer Sprung ins Unbekannte, sein Sonnenweihspiel der Jahrhunderte, Intolerance, durchgefallen war; lange nachdem der Palasthof Belsazars von Unkraut überwuchert und seine Mauern verfallen waren, abgeblätterte und längst verlassene Kulissen; lange nachdem die Feuerwehr von Los Angeles es zur Brandgefahr erklär hatte, stand es da: Griffiths Babylon, Vorwurf und Herausforderung für die blühende Filmstadt – etwas, das man übertreffen musste, etwas, das man überleben musste.
Der Schatten Babylons hatte sich über Hollywood ausgebreitet, hypnotischer Schlangenblick in Keilschrift; gerade außerhalb des Blickwinkels von Billy Blitzers Kamera der Skandal.
Hollywood, die Filmkolonie, war von einer kleinen Gruppe jüdischer Kaufleute von der Ostküste geschaffen worden, die im Nickelodeon ein gutes Geschäft witterten, in den Westen gelockt durch die Versprechungen Südkaliforniens: 355 Sonnentage im Jahr und niedrige Grundstückspreise. Die schläfrige Vorstadt von Los Angeles unter den Orangenhainen, die sie sich ausgesucht hatten, trieb baufällige Freiluftateliers aus dem Boden, Sonnenfallen für ihr lichtschwaches orthochromes Filmmaterial. In den wenigen Jahren, in denen sie mit kopierten, nicht lizenzierten Kameras ihre primitiven und gewinnträchtigen Two-Reelers drehten, ständig aus der Hut vor den rachsüchtigen Gerichtsvollziehern Edisons, jonglierten die ehemaligen Trödler und Handschuhverkäufer ihr riskantes Unternehmen in eine Zelluloid-Bonanza.
Als es sich herumsprach, daß das Nickelodeon-Publikum im ganzen Land herbeiströmte, um seine Lieblingsschauspieler zu sehen, die nur unter den Namen »Little Mary«, »The Biograph Boy« oder »The Vitagraph Girl« bekannt waren, wurden aus mißachteten Schauspielern, die man bis dahin für kaum mehr als Gelegenheitsarbeiter gehalten hatte, Kinokartenverkäufer. Gesichter, die schon berühmt waren, bekamen Namen und ständig steigende Gagen: das Starsystem – gewiß ein zweifelhafter Segen – war geboren. Im Guten wie im Bösen, von nun an mußte Hollywood mit dem fatalen Ungeheuer leben: dem STAR.
Kenneth Anger (1975). Hollywood Babylon (S. 3-6). Frankfurt am Main: Zweitausendeins.


Kapitel 5
43 INT. HALLWAY BELOW THE SURVEILLANCE CAMERA - SAME
Cooper stares into the lens of the camera for a moment. Then sprints to the Surveillance Room.


44. INT. SURVEILLANCE ROOM
Cooper stares at the monitor. Sees nothing on the screen but an empty hallway.


[...]


47. INT. HALLWAY BELOW THE SURVEILLANCE CAMERA - SAME
Cooper runs out to the hall again stares into the camera. He stays there for a moment then runs back to the Surveillance Room.


48. INT. SURVEILLANCE ROOM - SAME
Cooper stares at the monitor which still shows an empty hallway.


49. INT. HALLWAY BELOW THE SURVEILLANCE CAMERA – SAME BACK ON COOPER
He runs back out the door into the hallway. Behind him at the end of the hall a door opens and Phillip Jeffries [...] enters the hallway headed towards Cooper, but Cooper doesn't see him because he is staring intently into the camera as he has done twice before.


50. INT. SURVEILLANCE ROOM - SAME
Cooper races into the room and stares into the monitor.


51. ON THE MONITOR
This time Cooper is amazed to see himself staring into the camera, and behind him is Phillip Jeffries coming towards him and the camera.
On the screen Jeffries walks past Cooper.


COOPER
(shouting)
Gordon.


Cooper runs into Gordon's office.


52. INT. GORDON'S OFFICE
As Cooper gets to Gordon's office, Albert and Cole are standing there staring bug eyed at Phillip Jeffries.

COLE
PHILLIP!



Albert stands up.

ALBERT
Phillip?


Jeffries moves into the room. Cooper steps into the office.


COOPER
Phillip?


COLE
COOPER, MEET THE LONG LOST PHILLIP JEFFRIES. YOU MAY HAVE HEARD OF HIM AT THE ACADEMY.



Jeffries stares at the threesome.


Originaldrehbuch Twin Peaks: Fire walk with me (1992)
http://www.thecityofabsurdity.com/fwwm/fwwmscript.html

Sonntag, 3. Oktober 2010

Lange Nacht der Museen 2010

Ob alle Ausstellungsstücke die lange gestrige Nacht heil überstanden haben? – ich glaube nicht.
Wohl kaum jemand besucht die Lange Nacht der Museen, um in einem Museum ernsthaft das Ausgestellte anzuschauen. Eher interessant ist das ganze ethnologisch, weil es so leicht wie an keinem anderen Tag zu beobachten ist, wie sich Pöbel im Museum verhält. „Schau wie lustig, da ist ein Bild mit Schwammerln“, „Was soll das denn sein?“, „Jetzt müssen wir nur noch in das [name], dann sind wir fertig.“ etc.
Haupttattraktion in Klafu die 1000& in der Stadtgalerie. Positioniert an einer Stelle, an der niemand vorbeikommt, haben sie Hostien ausgeteilt, bedruckt mit Werbesprüchen. Beobachtung: Die Leute fressen leiblich nicht alles, was medial gefressen wird. „Kann ich etwas anderes haben?“ häufige Antwort auf GEIZ IST GEIL und WEG MIT DEM SPECK. Lästige Kinder kamen immer wieder: „Oi! Esspapier! Kann ich noch mehr haben?“


Ausstellung alter Kochbücher im Stadthaus, aufregend z.B. der Titel Elektrokochen. Leider nur wenige Rezepte, bzw. die gezeigten im Gedrängel nur schwer lesbar und die Fotos taugen nichts.



Haus der Architektur, noch nicht ins Bett gebrachte Kinder losgelassen auf einen Berg voller Schachteln, eines der Kinder rief unentwegt „SCHACHTELN!“, ein anderes rief „ICH BIN EIN ARCHITEKT!“, sprang in die Schachtelauftürmung und stürzte mit ihr ein.

Wie immer: heiß und stickig. Ich kam für die Buffets zu spät.