Sonntag, 7. Juni 2015

Der Mensch ist was 3

Ich bezahle heute wieder 7,50 Euro für das Frühstück, diesmal aber nur für Kaffee und Joghurtobstmüsli, keine Ahnung. In der Zeitung lese ich, dass drei Jugendliche in den Inn gesprungen sind, es ist unklar warum. Ich lese, der erste sei aus noch nicht geklärtem Grund hineingesprungen, beim zweiten und beim dritten kann vermutet werden, dass sie hineingesprungen sind, weil sie dem ersten nachgesprungen sind. Der Inn ist ein wilder Fluss, mitgerissenenes Treibgut geht im trüben Wasser unter, taucht wieder auf, lässt sich von der Promenade aus nur schwer verfolgen. Der erste hineingesprungene Jugendliche ist ans Ufer geschwommen, die beiden anderen sind davongetrieben worden mit ungewissem Ausgang.

Ein letztes Mal self-sevice am Bahnhof.

Samstag, 6. Juni 2015

Der Mensch ist was 2

Das Frühstück, wo ist es? Ein Pfeil zeigt von der Rezeption nach hinten, dort ist aber nur der Durchgang zum Innenhof. Ich gehe zurück zum Pfeil, folge ihm erneut nach und bin wieder im Innenhof, Verwirrung. Eine unscheinbare Tür mit nebenmontiertem Kartenleser ist die Lösung des Frühstückrätsels: Ein Eingang, der sich Hotelgästen zur benachbarten Bäckerei öffnet, die von Stefan. Ein kleiner, müder Schritt führt von einem Raum in den anderen, wo sich alles ändert: Dekorierte Wände, Musik und Brotgeruch statt karger Hotelwände mit einem sauberen Hauch von Putzmittel. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Tür hinter mir beim Zufallen verschwindet. Was ist das für eine Welt? Das totale Hotel, in dem man seine Karte nur in den Schlitz neben einer Tür zu stecken braucht und sie öffnet sich hin zu sonstwo, zur Bäckerei von Stefan oder zur Rathaus-Galerie, zur Uni, zum Bahnhof, zum Schlafzimmer, nach Indien, nach Marokko usw. usf.

Verlängerter, Joghurt mit Müsli und Schnippelobst, Croissant (Sind alle Croissants mit Nougart-Füllung, ja, und haben Sie auch welche ohne Nougart, ja, haben wir, gut, dann bitte so eines, bitte gerne Croissant ohne Füllung, einmal), 7,50 Euro. Die Ignoriertem bemerken, dass man an der Theke bestellt, zahlt und – bis auf den Kaffee – sich selbst serviert.

Ich unterhalte mich während eines ausgedehnten Frühstücks, das ich damit begonnen habe, in der Zeitung etwas über die Farbe der Unterhose von Angelina Jolie zu lesen (gelb), über die Ausdehnung der Materie. Wir tauschen unsere Bücher aus, alles sehr nett und freundlich.

An der Uni kann ich in den Gängen keine Regelmäßigkeit in der WC-Anordnung finden: Damen-WC, Damen-WC, Barrierefreies-WC (zugesperrt), Damen-WC. Schließlich entdecke ich gleich zwei WCs im Keller, m&w nebeneinander. Das WC nimmt alles, was man ihm gibt, darüber hinaus alles von allen: beim Herren-WC hat jemand den eleganten Herren im Anzug mit einem Sticker überklebt, auf dem steht, Ich bin für ALLE* offen, *-Referenz: m, w, trans, inter usw.

Ich lasse mir erzählen, dass es gar nicht so viele Vortrags-Einreichungen gab, kaum etwas abgelehnt, alles von allen war willkommen, insofern, einige merkwürdige Vorträge auch.

Ein ironischer Mülleimer nimmt auch alles.

Die Vorträge, alles von allen, alles in allem, interessant und weitgehend gut, trotzdem, wie immer, Hauptgewinn in Conference Bingo gut möglich:

  • der obligatorische Gender-Plenar-Vortrag wird (1) von einer Frau gehalten, die (2) irgendwie komisch angezogen ist.
  • I have two answers, a short one and a long one, and I will tell both.
  • ich ändere das Thema meines Vortrags, den Titel and the language I want to talk.
  • der Vortragende muss jetzt nach Istanbul fliegen.
  • ich habe diesen Vortrag das letzte Mal vor homöopathischen Ärzten gehalten.
  • ein tätowierter Hipster trägt zu Foucault vor.

Beim Mittagessen in der Pizzeria esse ich köstlichen griechischen Salat und neben mir sitzt eine Touristinnenfamilie mit drei kleinen Mädchen, die ihre Pizza teilweise selbst essen und sie teilweise ihren Stofftierhunden verfüttern möchten, die alle Laura heißen. Alle drei Mädchen erschrecken sich bei den Geräuschen der Flugzeuge.

K regt sich immer auf, wenn ich im self-service-coffee-and-more meine Tassen zurückbringe. Ich werde am Nachmittag in einem kleinen und obwohl nicht viele Leute dort sitzen werden, irgendwie hektischen Café einen Kaffee bestellen, und erneut wird es Selbstbedienung sein. Man bestellt an der Theke, trägt den Kaffee selbst nach draußen und gießt dann die Milch, Kaffeesahne, aus diesen kleinen Milchpackungen hinein, die ich nie aufbekomme, die unmöglich aufzubekommen sind, immer reist das Stück Deckel ab und ich tropfe die Milch dann halt langsam aus dem kleinen aufgerissenen Loch in die Tasse mit Kaffee, die am Plastiktablett steht.

Mir wird dämmern, dass es keine Bedienung gibt, wenn an den Tischen keine Menükarten stehen. Bin ich überheblich, wenn ich sage, dass mir das schon lästig ist? Wenn der Kaffee usw. billiger wäre, gut, ist er aber nicht. Die Frage liegt auf der Zunge, ob ich nicht, gern auch gratis auf den Knopf drücken soll, an der Maschine für den Kaffee, und wenn die Thekenbedienung möchte, kann sie mir auch Trinkgeld geben, wenn ich mein Plastiktablett zum Tisch hin- und später dann vom Tisch zurückbringe.

Am Abend frage ich eine Philosophin, ob sie objektive Phänomenologie wirklich ernst nimmt und sie fragt, ob ich sie das jetzt wirklich fragen will und wir einigen uns auf die interessantere Frage, ob jemand vom schon geschlossenen Buffet noch Bier mitgenommen und noch nicht ausgetrunken hat.

Jemand fragt mich, wie er von seinem Smartphone installierte Apps löscht und ich sage, dass man dazu mit dem Finger so lange auf ein Icon hält, bis Lösch-Symbole erscheinen und jemand anders sagt zu mir, das ist sowas von überhaupt nicht Punk, was ich da sage.

Die Häuser ziehen vorbei und traurige Gesichter, die noch trauriger werden staunen, wie schön die Probleme der anderen sind.

Der Mensch ist was

Jemand hat mir erzählt, dass der Flughafen Innsbruck schwierig anzufliegen sei. Das läge an den Bergen, die rundherum zu sehen sind. Ich erinnere mich, dass in Wuppertal das Hotelzimmer vibriert hat, wenn die Schwebebahn vorbeigefahren ist. Hier vibriert alles, wenn ein Flugzeug über das Hotel fliegt, und wenn man beim Fenster steht und nach oben schaut, dann sieht man die ausgefahrenen Fahrwerke der landenden Flugzeuge und deren Lichter vor einem Horizont mit Kirchtürmen und hohen Bergen. Bei den Aufzeichnungen der Vorträge wird man auch den Flugzeugen zuhören können. Manche werden sich sich dazu entscheiden, bei geschlossenen Fenstern zu schwitzen, andere, bei offen zu schwitzen.

Am Abend findet ein großer Empfang statt und griasch di, I kim wohl aus Tirol, sagt mir dort ein Student, der zwar wohl aus Tirol kommt aber in der Schweiz studiert, Theologie, und über das Böse vortragen wird. Wir stehen gemeinsam in der Buffetschlange und ich frage ihn, was das Böse ist und er sagt mir, das Böse ist das, was die größtmögliche Distanz zum Guten hat und alles was es gibt, sind Variationen des Bösen. Die Buffetbedienung fragt, ob wir Lachstörtchen haben möchten oder Schweinefleisch mit Pilzen oder panierte Garnelen oder Schnitzel und wenn, wie viele davon und ich sage, ja gerne und der Theologe schaut entsetzt und bittet um die Spinatlasagne mit etwas Reis.

Ich sage, dass ein anarchistisches Buffet vielleicht besser wäre, oder zumindest schneller und ein Philosoph sagt zu mir, dass das bestimmt Strategie ist, das Hundstrogprinzip. Wenn man gefragt wird, was man essen möchte, ist man höflich, und gibt nicht zu, dass man vier Schnitzel will, sagt höflich, man möchte eines haben oder bittet höflich und zwei und will sich dafür schon entschuldigen.

Eine unbeantwortete Frage ist: Was ist die Methode der Philosophie? Beobachten? Schlussfolgern? Argumentieren? oder was? Man stelle sich vor, dass die Geographen nur noch die Landschaft anschauen, und dass die Verhaltensforscher nur noch Verhalten beobachten, und dass die Informatiker nur noch auf Gadgets tippen. Aber es ist auch so: wer lange genug an der Universität herumgeistert, entwickelt einen methodischen Alltagshabitus. So kann ich (ich schreibe die Geschichte erneut), wenn ich nicht weiß, wo die Konferenz stattfindet, den Leuten nachgehen, die sich irgendwie merkwürdig fortbewegen und leicht unbeholfen versuchen, sich an nichtssagenden Schilden oder Plakaten für beliebige Veranstaltungen und dergleichen zu orientieren. Das ist zuerst amüsant und kann dann langweilig werden, wenn man sich am Abend beim Umtrunk trifft, dort aber nicht miteinander redet, sondern argumentiert.

Samstag, 11. April 2015

Mein Aufenthalt im Hotel findMe

Das Essen war sehr köstlich und das Zimmer geschmackvoll eingerichtet. Das ideale Hotel für mich, meine Familie und meinen Hund: http://hotel-findme-klagenfurt.blogspot.co.at/

Freitag, 5. Dezember 2014

Showbar 1

Gestern habe ich endlich Drachen gesehen, sagt mir die Russin bei einem Mittagessen und ich habe keine Ahnung, was sie damit meint, bis mir mit gedolmetschten Fragen klar wird, dass sie den Lindwurm vom Klagenfurt meint. Es war nicht einfach für sie, Drachen zu sehen, weil Weihnachten um den Drachen aufgebaut war, d.h. die Häuser des Adventmarkts, die sich am neuen Platz um die Steinfigur reihen und Einheimischen wie Angereisten den Blick versperren.

Auf unserer Suche nach einem offenen Glühweinstand finden K. & ich eine Portraitstation, bei dem man um fünf Euro die Zeichnungen von Hollywood-Stars von Depp bis Jolie sowie des verunglückten Landeshauptmanns von Kärnten (sein Portrait ist mit Wäschekluppen zu den Hollywood-Stars dazugeklemmt) kaufen kann. Bei den Glühweinständen sammeln sich unerträgliche Mitmenschen, deren Menschenschmasse weit in den Neuen Platz hineinreicht. Irgendwo dazwischen, quasi Moshpit, klatscht ein Krampus (trug er überhaupt eine Maske) den Mädchen an den Hintern.

K. und ich gehen abseits zum alten Platz, alter Platz für alte Menschen, die keine Nerven haben für andere. Unser Gang ist begleitet von den abgehackten Tscheppern von Kuhglocken, schreienden Kindern, Knallen und Lautsprechermusik. Wir geraten von der einen in die nächste Masse Mensch. Ob das Krampusse auf Motorrädern sind, die durch die Leute durchfahren. Hier sind noch mehr Menschen, sie stehen vor Absperrgittern, drehen ihr Köpfe nach rechts, weg von einer Bühne, die links steht. Rechts ist nichts zu sehen, von der Bühne aus kommentiert ein Moderator, vermutlich Mike Diwald, der Schwiegersohn von Radio Kärnten, das Geschehen und sagt, dass alle auf die Nächsten warten. Über Lautsprecher wird der alte Platz mit Musik beschallt, K. sagt Deathmetal zu Rammstein, auf einer Bank steht ein jünges Pärchen, das sich, schließlich war es auch nicht so kalt, gegenseitig ausgrapscht.

Wir kaufen uns zwei Einwegbecher Glühwein und warten auf das Spektakel, das für mich eher darin besteht, den angetrunkenen Jugendlichen zuzuschauen, die zwischen Müllkübeln und ihren ebenso angetrunkenen Freunden herumeiern. Viele sind im Gesicht schwarz angemalt, ich frage mich, ob es hier Autodrom oder was gibt, K. erklärt mir, dass das die Krampusse waren. Schließlich kommen die Krampusse, die durchnummeriert an den Absperrgittern vorbeigehen, sich fotographieren lassen und den kleinen Kindern die Kappe übers Gesicht ziehen. Bemerkenswert ist ein Krampus mit Laubbläser, der das Publikum damit wegpusten will, das sich aber von ihm wegdreht. Der Laubbläserkrampus bläst sich selbst auf die Maske, seine langen Haare wehen im Wind.

Später werden wir bemerken, dass alle erträglichen Innenstadtlokale geschlossen sind und wir werden uns auf den Weg machen zur Showbar, in der der nächste Krampus als Barkeeper mit Pfeife um den Hals den Gästen Laune und Alkohol einflößt. Ich hasse Barkeeper, werde ich zu K. sage, diese Vereinigung des Üblen von Strandanimateuren und Schauspielern. Der Barkrampus macht alles besonders theatralisch, jede Bewegung ist eine zur Schau gestellt Geste. Beim Wechseln der Musik von Track A auf Track B, wird der Barkeeper seine um den Hals hängende Trillerpfeife in den Mund nehmen und ein paar Töne in das Lokal pfeifen. Er wird mit Flaschen und Gläsern jonglieren, dazu herumtanzen, den Bartisch anzünden, seinen Cocktailshaker schwingen und der Kellnerin zuwinken.

Karsten Krampitz schreibt, dass man sich in Kärnten nur zu Tode trinken kann, der einzige Ausweg aus der tiefsitzenden und allumfassenden Melancholie in dieser Beckenlage. Realistisch betrachtet, gibt es sonst auch nicht so viel mit sich anzufangen, wenn man nicht vom Laubbläser davonwehen lassen möchte.

In der Showbar werden sich zwei drei Muskeltpyen in engen T-Shirts ein Schnitzel vom benachbarten Italiener bestellen, der es ihnen in die Showbar auf den Tisch bringen wird. K. und ich werden unsere theatralisch gemixten Mischgetränke trinken und ich werde zuschauen, wie die Muskeltypen ihr Schnitzel essen.

Sonntag, 22. Juni 2014

Materialismus 2

Ich bin sehr erstaunt darüber, dass hier so viele so viel über Gott reden. Hier werden Bemerkungen abgetan mit, Das ist keine metaphysische Frage. Materie wehrt sich nicht, über sie lässt sich alles sagen, sie gibt sich allen hin.

Wenn Gott in die Materie verwurstet wird, entstehen allerhand Probleme, etwa dass ein deus omnipotens wohl kaum um das Einhalten physikalischer Gesetze bekümmert sein zu baucht, ein deus materiales aber schon. Wenn Gott will, dann zerstört er Seelen, höre ich in der Diskussion. Minds everywhere, rational souls, divine souls, thinking matter, Epikur. Ich weiß nicht, wie nützlich es noch ist, einige der gestellten Fragen zu stellen.

Es sind zwar viele Amerikaner hier aber Materie sei Dank, keine dogmatischen Katholen. Eine materialistische Ethik wird nicht thematisiert: Warum denn auch. Aber oft denke ich mir, will ich wirklich darüber nachdenken, dass ich aus einer solchen Materie bestehen soll. Wie man es will, es gibt immer welche, die aufpassen, dass Materie die Materie bleibt und weder Gott oder noch Mensch in sie hineinfällt, auf sie hereinfallen.

Niemand hier weiß, was für ein Fest gefeiert wird. Überall auf den Straßen, vom Flussufer bis zur Kirche sind Marktstände aufgestellt. Das deutscheste Deutschland, das du dir vorstellen kannst: Freundliche Gesichter über großen Biergläsern, gigantische Schwebegrills mit Würsten. In den Haaren habe sie Sonnenbrillen und an den Händen Kinder. Trotzdem, die Menschen hier sind nicht anders als sonstwo. Sie haben mehr Glück als Verstand, die Journalisten sind dumm und Autos werden abgeschleppt. Niemand meint es böse. Ich beantworte die Frage welcher Feiertag gestern war, kann aber nicht erklären, was gefeiert wurde, was gefeiert hätte werden sollen. Johannisfest, Johannesfest, oder so ähnlich heißt es, weswegen die Leute zusammenströmen. Ich weiß nicht mehr, wie ich zum Konzert gekommen bin, der Gitarrist spielt heftig Gitarre und der Schlagzeuger spielt heftig Schlagzeug. Gedränge, Geschrei, Bier und Würste, vom Flussufer bis zur Kirche, am Flussufer stehen Riesenschaukeln und die Kirche ist zugesperrt.

Jugendliche sitzen nah am Wasser. Sie fotographieren sich selbst dabei, wie sie auf die Wasseroberfläche starren. Einige der Leute, fällt mir auf, haben komische Zähne.

Ein Vortrag über eine der schönsten Metaphern von Diderot, Le lecteur c’est le livre même. In der Diskussion wird das versucht, zu sagen, dass die Metapher gar nichts sagt, falsch ist. Später wird niemand mit meiner Erklärung etwas anfangen können. Der merkwürdigste Einwand ist, Aber dann müssten ja alle Gedanken propositional sein. Unter uns MetaphysikerInnen ist das natürlich eine sehr seltsame Annahme.

Schließlich setzt du dich auf den letzten freien Platz am ersten Tisch. The americans talk about fly fishing, American TV shows and playing angry birds. Naja, der Finne, auch hiersitzend, erzählt mir, dass Edgar Allen Poe dasselbe schreibt wie Diderot: Was gegenüber Rationalismus und gegenüber Empirismus den Vorrang (hinsichtlich was) hat, das ist die Phantasie. Voilà une Machine bien éclairée!

Ich verpasse den letzten Bus und nehme einen anderen, steige eine Station vor meiner aus. Was denn Campus, denke ich, und es ist bestimmt eine Abkürzung, über den Campus zu gehen, vielleicht auch bei Nacht eine nette Abkürzung, denke ich und nehme den Weg zum Campus. Morgen werde ich sehen, an welcher Ecke ich falsch abgebogen, d.h. nicht abgebogen, bin.

Surren und Brausen gehen in der Nacht auf, die Geräusche leerer Gebäude: Ventilatoren rühren ihre Abluft, durch Gasleitungen wird Gas gepumpt. Descartes schreibt, das Blut wird durch Schläuche getrieben, esprits animaux geistern durch enge Tunnelröhren. Ich höre das Zischen der Wassersprenger über den Anlagen des Botanischen Gartens, das unerklärliche Surren der Gebäude, in deren Fassade irgendwo vielleicht noch ein Zimmer herausleuchtet, etwa am Institut für Zahnärztliche Werkstoffkunde und Technologie oder dem hiesigen Elektronenbeschleuniger.

Als ich den Unicampus zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gleich an daheim in der Sowjetunion gedacht, hat die Moskauerin gesagt, So viele Gebäude, die ohne ein gemeinsames Konzept wohin gestellt worden sind, mittlerweile kaputt oder verlassen sind und neben denen wieder neue gebaut werden.

Ich sehe eine Tafel mit der Aufschrift, Vorsicht Strahlung.

Samstags ist die Mensa geschlossen, es gibt keine Brötchen und keinen Kaffee, ich spare diesmal nicht 13,80 Euro sondern die ganzen 15, weil ich gar kein Frühstück bekomme. LASS DIE SONNE REIN ist auf einem Gebäude zu lesen, auf einer der vielen Campusübersichtspläne hat jemand geschrieben SCHEIß AUF UNI DOPE STATT UNI.

Schließlich sehe ich einen Hasen, der über eine Wiese und eine Straße zum Institut für Kernphysik hoppelt.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Materialismus 1

Eine Mutter, vielleicht auch eine Oma oder ältere Tante, fragt ihren Sohn, Enkel, Neffen, Sebastian, wo willst du denn jetzt hinne und Sebastian schreit wütend, mit seiner der Hand zackig auf ein Schild deutend, Dorthinne. Herzlich Willkommen.

Mauthner schreibt an einer Stelle, die ich nicht finde, mir vielleicht nur einbilde, die Seele hätte materiell verstanden werden können, stattdessen wurde die Materiel beseelt. Voilà, le matérialisme.

Und so ist auch das Materialismus: Im Flugzeug neben Shattor sitzen, der mir mit einer Bierfahne erzählt, dass er nur lieb sein will, und weitererzählt, dass er Koch ist, Küchenchef, wie er sagt, und von Yacht zu Yacht, von Restaurant zu Restaurant kommt, dort irgendwelche Köche, noch keine Küchenchefs, ausbildet, was er seit 20 Jahren macht und ihn mittlerweile annervt. Shattor erzählt, dass er eine Maschine ist, beim Kochen denkt er nicht mehr nach, alles ist Reflex. 1500 Rezepte sind in meinem Gehirn, sagt er. Am 11. September 2001 war er in New York, er hat das zusammenkrachende World Trade Center gesehen. Shattor erzählt, dass er im Flugzeug immer Tomatensaft und Prosecco trinkt und dass es dann keine Turbulenzen gibt. Und wenn er keinen Tomantensaft und keinen Prosecco trinkt, dann – er schüttelt seinen Körper. Schließlich bittet er die Stewardess um einen Tomatensaft und einen Prosecco, es gibt keinen Prosecco aber Weißen Spritzer, er trinkt aus und vor dem Landeanflug, es gab keine Turbulenzen, sagt er mir, siehst du.

Und auch das ist Materialismus: Der erste Taxifahrer, den ich am Bahnhof anspreche, sagt, dass ich zum Taxi weiter vorne gehen soll, weil der Taxikollege schon länger hier wartet als er und dass es unfair wäre, wenn ich jetzt bei ihm einsteige. Und der vordere Taxikollege wirft seine Zigarette weg und sagt, dass heute niemand mehr mit dem Taxi fährt, alle gehen zu Fuß, alle fahren mit dem Bus. Ich frage, ob hier auch heute Feiertag ist, er fragt mich, ob ich zum Philosophicum fahren möchte, ich frage ihn, ob die Taxifahrer hier alle so nett zueinander sind (man denke an Österreich) und er fragt mich, welchen philosophischen Satz ich ihm denn erzählen kann. In einem Taxi vom Bahnhof zum Hotel, in das ich gar nicht eingestiegen wäre, wenn die Menschen nicht so höflich zueinander wären, erzähle ich vom egoisitschen cogito ergo sum. Der Taxifahrer zweifelt daran, ich sage Performativität, der Taxifahrer zeigt mir Schleichwege, die ich zu Fuß nehmen kann.

Auch das ist Materialismus: Die Frau aus dem Hotel sagt zwei mal links gehen, ich gehe zwei mal links, irgendwann zweifele ich an der Wegbeschreibung, frage zwei junge Leute, ob das die Richtung zur Uni sei, sie schütteln, jeder für sich, ihre Köpfe und deuten auf die mir entgegengesetzte Richtung, da lang, hier lang, frage ich, sie sagen, Ja, ich frage mich, warum die Frau im Hotel zwei mal nach links gehen gesagt hat, wenn ich einmal links und einmal rechts gehen müsste.

Auf sauberen Gehsteigen passiere ich Verbots- und Hinweisschilder, die verhindern, dass etwas anderes passiert als Füßgänger. Parken verboten, Türe immer geschlossen halten, Achtung Alarmgesichert, Diese Computer dürfen nur zur Literaturrecherche benützt werden, Maximal 8 Personen, Rauchen verboten. Vom Flugzeug aus war die Geometrie des Landes zu sehen, Äcker, Häuser und Waldflächen in geordneten Flächen. Houellebecq schreibt, dass von oben, etwa der Distanz, die eine Landkarte zum Gebiet hat oder einem hoch fliegenden Flugzeug aus, alles sehr ordentlich und angenehm aussieht. Von einem tiefer fliegenden Flugzeug aus ist die Sache schon weniger angenehm, man sieht wuchernde Hotelanlagen, abgerissene Fabriken, und richtig schlimm wird es mit den Beinen auf der Erde: Der Dreck, das Chaos.
Aber hier sind weder Dreck noch Chaos, Hinweis- und Verbotsschilder leisten ihren Beitrag, beides zu verhindern und die Gehsteige sind sauber und die Menschen sind höflich. An die Innenseite der Lifttüre hat jemand Der Kot ist Rot geschrieben, jemand anders Deutschland. Unter der Zugbrücke steht ein Mann mit weißen Haaren und Trompete und spielt für vorbeifahrende Züge. Public Viewing Fußball-WM, Scheiß auf England sind sich alle einig, ein kollektives Fuck, als ein Spieler für England ein Tor schießt.

Ein im Gesicht über und über mit Senf beschmierter Leberkäsebrötchenesser steht vor dem Bus und redet mit dem Busfahrer. Das Senfgesicht fragt den Busfahrer mit überschlagender Zunge, ob der Bus auch hier oder da stehen bleibt, ich haste in den Bus hinein, höre zu, der Busfahrer sagt, Ne da fahrn mer nich hin, macht die Türe zu und fährt los. Er fragt mich, ob ich verstanden hätte, was das Senfgesicht gesagt hat und ich sage nein, nur das Senf im Gesicht habe ich gesehen und er sagt – wohl eine Frage, die er niemanden stellt – ob die Leute denn nicht lesen können, keine Döner und Brötchen hier mitnehmen, kein Restaurant sei der Bus. Ich sage ihm, dass ich nicht so sicher sei, ob Senfgesicht noch lesen konnte und bei der Ampel sage ich ihm, dass ich eine Fahrkarte für dort- oder dahin gerne hätte und der Fahrer meint, dass das ja nur ein paar Stationen sind und das schon in Ordnung geht.

Auch das ist Materialismus: Mir ist schnell klar, dass am ersten Tisch, dem bereits vollem, die Amerikaner sitzen und am zweiten: Die Anderen. Ich setze mich zu den anderen, den Europäern, neben mir ein Italiener, eine Moskauerin, die im Visum als Ukrainerin eingetragen ist, eine Französin und eine Engländerin, die in Frankreich aufgewachsen ist und in Italien lebt. Wir unterhalten und in einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch. Sie habe schon so viele Bücher über LaMettrie geschrieben und immer noch sagen die Menschen, es geht darin um die Erklärung des Menschen als Maschine, sie verstehe das nicht, hat denn niemand den Text gelesen. Wenn man über Diderot arbeitet, muss man alles lesen: Die philosophischen Texte, die literarischen, die Briefe, die Enzyklopädie, alles; alles gehört zusammen. Niemand versteht, was Schopenhauer damit zu tun hat, trotzdem hat Schopenhauer irgendwie alle beeinflusst, die Leute die vor ihm gelebt haben, Wittgenstein sowieso und was ist mit der Psychoanalyse, frage ich, ja, ohne Schopenhauer gäbe es auch keine Psychoanalyse.

Samstag, 17. Mai 2014

Sonntag, 6. April 2014

Sonntag, 30. März 2014

Freitag, 24. Januar 2014

Die Windows 8-Geschichte (1)

Ich schreibe diesen Beitrag in einem kleinen Raum, in dem mehrere Computer stehen: Zwei Desktopgeräte (an einem sitze ich und schreibe, das andere steht mir gegenüber), drei Notebooks und einem Tablet. Der Laptop links von mir ist mein vier oder fünf Jahre alter Acer Travelmate 5730, der Laptop rechts von mir ein neuer Acer E1 572g 54208g75mnkk, auf dem sich ein Ladebalken von links nach rechts füllt. Gekauft habe ich den Acer E1 letzten Freitag, d.h. vor genau einer Woche und ich hoffe, dass ich ihn auch bald verwenden kann.

Es gab mehrere Gründe für den Neukauf: Das Alter des Travelmates, das installierte Windows XP (wofür der Support demnächst eingestellt wird), vielleicht sogar die etwas längere Zeit für den Systemstart. Der schwerwiegendste Grund war allerdings, dass sich der Laptop seit Dezember weder richtig ausschalten ließ noch in den Standby-Modus versetzen. Beim Zuklappen des Deckels (sagt man so?) wurde der Bildschirm schwarz und das Gerät stürzte ab (d.h. es reagierte auf nichts mehr und ich konnte nur mehr lange den Ein-/Ausschaltknopf drücken); und beim Herunterfahren-Befehl passierte dasselbe mit der Anzeige des „Windows-fährt-herunter“-Bildschirms, bei dem das Gerät steckenblieb und ich müsste das Gerät abwürgen, indem ich lange den Ein-/Ausschaltknopf drückte.

Mit diesem Acer-Gerät war ich sehr zufrieden, was mir Grund genug dafür war, wieder einen Acer-Laptop zu kaufen (ganz im Gegensatz zum Vorgänger-Laptop des Acers, einem Fujitsu-Siemens Laptop, der augenscheinlich mehrere Hardwaredefekte hatte und den ich vom immer selben mir gegenüber ziemlich unguten Media-Markt-Mitarbeiter in die Reparatur schicken ließ, es dann aber ohne wirksame Reparatur zurückbekam. Einmal kam er zurück und ein Gummifuß an der Unterseite war weg (ich habe nach jeder Entgegennahme das Gerät von außen überskeptisch überprüft und auch zum Testen eingeschalten, weil einmal habe ich es gleich nach der Übernahme mit nach Hause genommen und ich konnte es nicht einmal mehr starten); der Media-Markt-Mensch lies sich nicht von seiner Überzeugung abbringen, dass es schon so gewesen sei – sonst hätte er es ja notiert – und gesagt, dass er auch nichts tun kann.

Überraschend und mutig genug, habe ich den neuen Laptop wieder bei Media-Markt gekauft, eben: http://www.notebookcheck.com/test-acer-aspire-e1-572g-54204g75mnkk-notebook.99518.0.html

Das neue Gerät wurde mir Windows 8 ausgeliefert, worauf ich trotzdem (trotz was?) positiv eingestellt war; irgendwie war meine Ahnung, dass es etwas haben könnte, zu der Betriebssystem-Avantgarde zu gehören und andererseits, was solls: Radikale Veränderung!

Ausgeliefert wurde der Acer E1 572g mit Windows 8. Mein erster Eindruck war eine Überraschung: Das Betriebssystem erinnert an ein Smartphone. Und damit soll ich arbeiten, fragezeichen. Mehr irritiert als überrascht war ich vom fehlenden Startbutton: unklar, wie ich Programme starte und unklar, wie ich den Laptop eigentlich ausschalte. Überall wohin ich den Mauszeiger bewege irgendwelche Dinge, die eingeblendet werden.
Die Updates auf Windows 8.1 sollen all dem bekanntlich Abhilfe schaffen, daher: updaten. Das dauert mehrere Stunden, rund 3GB müssten dafür online heruntergeladen werden; über die Nacht von Freitag auf Samstag habe ich den Laptop updaten lassen.

Am nächsten Tag dann aufgewacht und ich war positiv überrascht; die Metro-Oberfläche (ich meine Modern UI) konnte ich ignorieren, diese ganzen Sidebars oder was konnte ich deaktivieren und es gab sogar eine Erweiterung (merkwürdig genug), mit der ich das Startmenü wieder hatte: http://www.classicshell.net – Installation und Konfiguration gingen ohne Probleme.

Ich fand heraus, dass man Verknüpfungen zu den installierten Programme mit „An Start anheften“ zu den Metro-(ich meine Modern UI)-Kacheln hinzufügen kann, mit „an Taskbar anheften“ (oder so) an die Taskbar anheften kann und mit dem altbekannten An Dekstop senden… an den altbekannten Desktop senden. Ich habe mich mit der Wetter-App angefreundet, ein krasses Wasserfall-Desktop-Thema installiert und mit der Kamera ein paar lustige Fotos gemacht. Auch die unnützen und nervigen Acer-Apps habe ich gelöscht. Wer will das schon.
Ich war der Meinung, alles ganz gut vorbereitet zu haben, fast schon mit einem Probebetrieb anfangen zu können, als ich den Computer ausschalten wollte: Absturz. Kann ja nicht sein, dachte ich, sicher von Programmen etc. Neustart, neuer Versuch, das selbe Ergebnis.
Ein-/Ausschaltknopf lange drücken, Abwürgen, Neustart, Googeln und dort herausfinden, dass es bei Windows 8 (und Windows 8.1) einen hybrid boot gibt, der bei vielen Probleme, ähnlich den meinen, verursacht. Ich deaktivierte diesen hybrid boot Smart Start, danach hat das Ausschalten geklappt (Test: Einschalten/Ausschalten/Einschalten). Danach testete ich das Zuklappen und der Laptop stürzte ab. Altbekannt: Schwarzer Bildschirm mit blasendem Lüfter und keine Reaktion außer auf das lange Drücken des Ein-/Ausschaltknopfes.

Ausschalten, Einschalten, im Google Hinweise auf Treiber finden (die rücksichtslosen Herstellertreiber überschreiben die schüchternen Windows 8.1 Power Management Treiber). Ich glaube das nicht so richtig, habe aber vor, alle Treiber zu aktualisieren und sehe dabei, dass die Bluetooeth-Schnittstelle nicht aktiv ist, weil der Treiber nicht geht. Aktualisierung klappt nicht, sonst gibt es keine neueren Versionen – von gar keinem Treiber.
Ich vermute (eine eher absurde Vermutung), dass eines der installierten Programme irgendwas scheitern lassen könnte und wähle die Option „Auffrischen“, das klang für mich sympathisch, „neu aufsetzen“, wie man sagt, aber in einer harmlosen Variante.
Die installierten Dateien etc. können dabei ruhig gelöscht werden, ist eh alles nur Freeware, also Aufräumen. Nach dem Aufräumen waren die nervigen Acer-Apps waren wieder da und immerhin war auch mein WLAN-Passwort noch gespeichert (ist das eigentlich gut so?). Erneuter Test: Bluetooth ging nicht, das Herunterklappen lässt den Laptop abstürzen.

Es gab wieder einige Updates (wurden welche gelöscht?) zu installieren, ich lies sie installieren und der Laptop wurde in einen Zustand gebracht, in dem er sich selbst auffhing. Neustart: eine Anzeige von Problemen und die Optionen Neustart und Trotzdem starten, bei beiden landete ich wieder am selben Bildschirm mit den zwei Optionen.

Da hilftvermutlich nur noch der Komplettreset, Windows 8 mit steckengebliebenem Update auf Windows 8.1 bietet dafür zwei Optionen an, eine die dauert„einige Minuten“ und entfernt nur meine Dateien und eine andere, die das Laufwerk vollständig bereinigt und dafür „viel länger“ braucht. Ich wähle Option zwei.





Mit Windows 8 (ohne Update) ging das Versetzen in den Ruhezustand (oder Energie-Spar-Modus) und Bluetooth ging auch. Nach diesem Test habe ich erneut das Update auf Windows 8.1 eingespielt und wieder eine Nacht lang geupdatet. Nach dem Update war die Bluetooth-Schnittstelle inaktiv und Herunterklappen führte zum Absturz.

Die neue Hoffnung war das Downgrade auf Windows 7.

Mittwoch, 27. März 2013

Dienstag, 19. Februar 2013

Montag, 11. Februar 2013

Telefongeschichte 3

Mittlerweile passiert nicht mehr viel, es gilt


Und es gibt vorerst keine Klagen, aber doch noch etwas, das rückblickend erzählt werden kann: Der Import einer Ruffnummer.

Weil im A1-Shop hab ich gefragt, ob das geht, die Rufnummer zu importieren und der A1-Mann (ich weiß nicht mehr welcher das war) hat gesagt ja, das geht und dass man dafür einen NÜV-Antrag braucht. Und ich frage, was eine NÜV ist und er erklärt mir, dass das die Nummernübertragungsverordnung ist und dass ich, wenn ich die Nummer übertragen möchte von ihm Zettel bekomme und die dann an den neuen Anbieter schicken muss. Ich sage ok und er druckt mir die Zettel aus, die im wesentlichen aus Strichcodes bestehen, in denen meine Telefonnummer und irgendwelche Daten codiert sind. Das ist die NÜV-Information.

Der A1-Mann erklärt mir, was da wie viel kosten würde, bittet mich noch einen ausgedruckten Zettel zu unterschrieben, womit bestätigt wird, dass er mir das alles erklärt hat.

Daheim sehe ich, dass dieser NÜV-Information selbst 3,33 kostet. Und da kann ich meine Stirn darüber runzeln wie ich will, dass das Zettelausdrucken selbst etwas kostet hat der A1-Mann nicht gesagt, unterschrieben hab ich schon, naja. Immerhin sind die 3,33-Euro noch 67 günstiger als der von der gesetzliche Maximalbetrag, wie mir die Arbeiterkammer Österreich mitteilt. Und ist eh schon vom Konto abgebucht, weil A1 Lastschrifteinzüge machen kann.

Warum ich eigentlich immer noch 72,25 Euro zahlen muss, obwohl ich keine Vertragsbindung habe und mit A1 nichts mehr zu tun haben will, weiß ich trotzdem nicht so genau.



Resümierend kostet also der Vertrag noch 72,25 Euro, dazu kommen die 19 Euro für das Freischalten des Handys und 62 Cent Porto für den Kündigungsbrief, der vom A1-Shop nicht entgegengenommen wird. – Also 91,87 Euro.


Man beachte die Merkwürdigkeit „Einfach richtig kombinieren – A1 Kombi“ auf der Rechnung von der Post.

Dass ich mich spätestens im November 2013 darüber freuen werde, zeigt folgende Übersicht (eh klar: x-Achse: Zeit, y-Achse: Kosten der Handyrechnung):


Nachdem die Kündigung scheinbar angekommen ist (Ist das eine Kündigung, fragt mich der Postbeamte, Ja, sage ich und er fragt, ob der Brief eingeschrieben werden soll und ich sage Nein!), schickt mir A1 den Abschiedsbrief mit dem Betreff, der schon am Vertrag hätte stehen sollen, wie auch auf der Post-Rechnung, vielleicht sogar am Telefonbildschirm als Meldung beim Einschalten.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Telefongeschichte 2

Startpaket gekauft und keine Aktivierung, mein Besuch im A1-Shop. Guten Tag! Ich erzähle. Der A1-Mann – oder vielleicht besser gesagt der Bua von A1 mit schicken Haaren sagt „Beschränkungspasswort? Das kenne ich nicht. Versuchen Sie halt den PIN oder den PUK einzugeben oder eine andere Zahl.“ Und ich sage, dass ich das versucht habe, aber dass es nicht geht und sage, dass ich denke, dass das Telefon gesperrt ist.

Der andere A1-Mann, davon gibt es ja mehr, derjenige, der mir das bob-Startpaket verkauft hat, sagt dann: „Ja dann ist das Handy nicht entsperrt.“ – und ich sage „Ja, das wäre aber gut gewesen, wenn ich das gestern gewusst hätte“ und er sagt tja und ich sage tja. Dann stehe ich zwar noch vor dem jungen A1-Typ mit den schicken Haaren, rede aber mit dem gestrigen A1-Bob-Typen vom anderen Schalter. „Und können Sie das Telefon entsperren?“ und er sagt „Ja. Das kostet aber.“
„Und wie viel kostet das?“, frage ich und „Fünfzig Euro“ sagt er (so ein geradeaus-Betrag?) und ich sage „Das ist ja nur Software, warum ist das so teuer?“ und er sagt „Weil das für A1-Telefone, die älter sind als zwei Jahre so viel kostet.“ Der junge A1-Typ, nur stumm zwischen uns, meint etwas von Handybörse billiger, woraufhin er Blicke vom anderen bekommt (ich weiß auch nicht).
Und ich denke mir na gut, versuchen.

Bevor ich gehe, wie Columbo, noch eine Frage: Ich habe das formlose Kündigungsschreiben mit und frage, ob ich das abgeben kann. Und der junge A1-Typ sagt, dann „nein“ und gibt mir die Karte mit der Adresse der A1-Zentrale in Wien, die ich gestern schon bekommen habe und sagt „Einen Brief schreiben oder faxen“ und ich sage „Das habe ich schon bekommen und ich habe einen unterschriebenen Brief mit.“ – ob sie ihn denn nicht schicken können oder faxen (immerhin ja Kommunikationsanbieter und er müsste ja nur intern kommunizieren; … für Kant und andere entspricht ein interner Kommunikationsvorgang nicht mehr als Denken oder Selbstgespräch und dafür muss man nicht einmal aufstehen). Und er schüttelt den Kopf und sagt „das geht nicht“ und ich frage „warum?“ und er meint „rechtliche Gründe“.

Bevor ich gehe, Columbo, noch eine Frage, Mobilepoints.

Einschub: Wir leben schließlich, wo wir leben und da sind die Dinge eben so wie da, wo wir leben und die K meint, wenn du was von den A1 willst, dann rufe die eine an, die heißt m. und die kann helfen. Ich hab im Internet schon geschaut, ob man Mobilpoints übertragen kann und da steht das geht nicht, aber fragen kann man ja die m., die angeblich helfen kann. Die angerufene M meint, das auch sie meine Mobilepoints nicht übertragen kann (und ich hab 5000 mMobilpoints, das entspricht immerhin 160 Euro, wenn man es nachzahlen muss) und ich frage, was ich dann tun kann und eine ganz andere, eine zweite m. hat am Vormittag schon gemeint, dass man dann halt das Zubehörglumpert kaufen kann, taschen, anstecker, blinker sonst was und die erste m. sagt, dass man halt das Zubehörglumpert kaufen kann, taschen anstecker und blinker.

Und ich dann im A1-Shop, meine Frage, was mit meinen Mobilpoints passiert und der A1-Typ meint, dass die mit der abgeschlossenen Kündigung, d.h. nach Kündigungsfrist verfallen. Auf meinen anderen A1-Vertrag, Internet und so, ist das nicht übertragbar? Nein. Und das Glumpert? Dass ich mir das Glumper damit kaufen kann, geht das, frage ich und er sagt „Ja, billiger kaufen“. Und ich frage, was heißt billiger und er meint „Prozente“ und erklärt „Ein Ladekabel statt um 11 statt um 15 Euro“ und ich frage, ob ich auch etwas nur für Mobilpoints bekomme und er meint „Nein“ und ich meine „Danke dann“ und ab.

In der Handybörse (ich frage am Informationsschalter des Shoppingcenters „Gibt es hier eine Handybörse?“ Beschildert ist es am Plan zumindest nicht und meine Lust durch die klimatisierte Kaufkathedrale zu gehen ist gering. Die Informationsfrau, sie hat merkwürdige Augenbrauen, macht eine umständliche Handbewegung, Richtung „unten rechts“; ich ab) werde ich von drei schlacksigen Typen freundlich begrüßt. Ich erkläre die Situation und bekomme die Konditionen: 19 Euro 90 wenn es diese oder jene Verschlüsselung ist und 29 Euro wenn es eine andere ist. Im 19-Euro-Fall dauert es 30 Minuten, das Telefon zu entsperren und im 29-Euro-Fall dauert es drei Tage. Mit 90%-iger Wahrscheinlichkeit bleiben die Daten bestehen und die Wahrscheinlichkeit, dass gar nichts freigeschalten werden kann aber dafür alle Daten gelöscht werden ist sehr gering. Ich frage noch einmal, ob es da eigentlich nur um Software geht und alle drei nicken begeistert. Ich erzähle von meinem Versuch das Telefon im Internetfreizuschalten und einer fragt, wie oft ich es denn versucht hätte und ich sage zwei mal und er meint – Dann wollen wir hoffen, dass Du die Wahrheit sprichst (und klingt dabei wie ein Hobbit mit deutschem Akzent) und ich frage warum und er meint, wenn es drei mal falsch eingegeben worden ist, dann geht das vielleicht gar nicht mehr und kostet gleich viel mehr und überhaupt. Ich freue mich auf mein Glück und ab.

Der Sascha Lobo über Callcenters
und
diese Geschichte.

Mir graut.

Zurück in der Handybörse, ein entsperrtes Telefon zurück, meine Erleichterung.

Montag, 7. Januar 2013

Volksbefragung zur Abschaffung der Wehrpflicht

Zitat: „Der totale Krieg, der nicht nur Angelegenheit, der Streitkräfte ist, sondern auch unmittelbar Leben und Seele jedes einzelnen Mitgliedes der kriegsführenden Völker berührt, war geboren, nicht durch eine veränderte Politik allein, in der immer klarer das Machtstreben des jüdischen Volkes und der römischen Kirche sich gegeneinanderstellte und ihre Sucht scharf hervortrat, die Völker zu schwächen, die widerstrebenden blutleer laufen zu lassen, sondern durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht bei den steigenden Bevölkerungszahlen und von Kampfmitteln, deren Wirkung sich immer vernichtender gestaltete.“

Damit auch die Leseschwachen den Satz verstehen, sind die wesentlichen Satzteile fett hervorgehoben.

Nachzulesen auf Seite 5 von Erich Ludendorffs „Der totale Krieg“ (1935)

Das macht natürlich auch Sinn: Wurde die Zivilbevölkerung vor der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zum Krieg gerufen, the call to arms, wurde ihnen aufgetragen für-etwas zu kämpfen, für die Ziele eines anderen, des Herrschers oder Kriegsherren, einzutreten. Die allgemeine Wehrpflicht macht die Bevölkerung, wenigstens die Männer, zu Soldaten, die bei Ausbruch des Krieges nicht mehr alleine für einen anderen einstehen, sondern selbst – oder auch selbst – als ausgebildete Soldaten in den Kampf ziehen. Die Kriegsbereitschaft wird der Bevölkerung durch die Wehrpflicht verinnerlicht.

Dass Erich Ludendorff ein begeisterter Nazi war und sich selbsterklärend für die allgemeine Wehrpflicht und den totalen Krieg aussprach, heißt auch, dass die Kärnter-FPÖ, die FPK, die sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht nicht nur ausspricht, sondern stark macht (Aufkleber aussendet – KÄRNTEN sagt JA zur WEHRPLFICHT –, Zeitungsinserate zahlt, Pro-Wehrpflicht-Magazine verschickt, Plakate aufhängt – Das Bundesheer hat uns immer geholfen JETZT helfen WIR ihm! JA zur WEHRPFLICHT – und öffentlich für die Wehrpflicht spricht), eine Nazigesinnung verbreitet.

Boyd Rice ruft 1989 in Osaka fragend ins Publikum „Do you want total war?” und antwortet selbst darauf: „Yes you want total war!“



Wen auch immer ich am Tag der Abstimmung in die Wahlkabine für ein Nein zur Wehrpflicht bringen soll, bitte melden.

Telefongeschichte 1

Ich interessiere mich nicht für Telefone, ich mag Telefone auch nicht besonders gerne. Wer mich kennt, weiß auch, dass ich jedes Mal so etwas wie „Scheiß Telefon!“ rufe, wenn ich angerufen werde.

Ja, seid euch darüber bewusst, ihr Leute, die mich anruft: Euer Anruf stört. (schreibt mir lieber eine E-Mail)

Ich kann mich auch nur wenig für Statistik begeistern und noch weniger für Buchhaltung. Aus den Rechnungen, die ich seit den letzten vier Jahren von meinem Mobilfunkbetreiber A1 zugeschickt bekomme, habe ich aber eine Statistik gemacht (sagt man „Mobilfunkbetreiber“? Ich weiß es nicht. Wikipedia bezeichnet A1 als Kommunikationsanbieter … klingt für mich auch nicht viel besser).

Hier ist eine Übersicht über die Anzahl der von mir ausgegangenen Anrufe aus den letzten vier Jahren. Auf rund 1460 Tage kommen rund 2580 Anrufe. Das bedeutet, ich habe in den letzten vier Jahren jeden Tag 1,76 jemanden angerufen. Eine entsetzliche Bilanz und ich entschuldige mich bei allen Leuten, die ich angerufen habe und sie mit irgendwas vollkommen belandlosen Zeug befaselt habe!


Dazu noch die Übersicht über die Dauer der Gespräche (aus der sich 5 Minuten 30 Sekdungen Telefonzeit ergeben für jeden Tag … aber nur die Zeit von Telefongesprächen, die ich mache! Dazu muss noch die Zeit gedacht werden, die ich am Telefon verbringe, wenn ich angerufen werde. Ein Horror!):


Und hier die Übersicht, wie viele SMS ich geschrieben und verschickt habe:


Und jetzt die wesentliche Tabelle, durch die der ganze Schlamassel anfing, die Übersicht darüber, was mich das alles kostet, jeden Tag durchschnittlich fünf Minuten lang (aktiv) zu telefonieren und durchschnittlich zwei SMS zu schicken:


Und mein Geiz hat überwiegt. Eigentlich nicht mein Geiz, sondern – traurig muss ich es zugeben, die Vernunft. Vergleiche einmal die A1-Preise mit irgendeinem anderen Netzbetreiber in Österreich und du wirst merken, dass das, was du zahlst vollkommen überteuert ist. Wie meine Statistik zeigt, telefoniere ich nicht mehr als 6 Stunden im Monat, das sind 360 Minuten und da gibt es Tarife, bei denen man 1000 Freiminuten bekommt. (und dann gibt es Leute, die das noch überziehen! 1000 Minuten im Montag telefonieren und fragen wohin man gerade anruft, leuten fragen stellen die sie nicht interessieren und antwort anhören, die einen nichts angehen). Ich wollte von A1 zu Bob wechseln, auch weil die Vertragsbindung mit Jänner 2013 zu Ende geht. „Vertragsbindung“, das muss man sich einmal vorstellen. Es ist nicht möglich, den A1-Vertrag zu kündigen. Die Verheirateten können sich scheiden lassen, die Mieter können ausziehen und sogar die Lebensversicherten können sterben aber ich kann nicht aufhören, mir A1 zu telefonieren. Ich war empört und allen, denen ich das erzählt habe waren über mich erstaunt und akzeptieren ihre eigenen Vertragsbindung widerstandslos.

Ich gehe dann auf die A1-Website und suche, wie ich den Vertag kündigen kann, finde folgende Seite, die ich negativ bewerten möchte, weil mir das überhaupt nicht hilft, das kann ich aber nicht, weil ich nicht eingeloggt bin. Und jetzt das erstaunliche: ich klicke auf eine andere Seite und bin eingeloggt (mit meinem Internetaccount, ich habe auch A1-Internet … das ist ganz ok und auf der A1-Seite bin ich im meinem WLAN permanent eingeloggt). Klicke ich wieder zurück auf die nutzlose FAQ-Seite bin ich wieder nicht eingeloggt, habe auch gar keine Möglichkeit mich einzuloggen. Ok, ok .. man kann sich für irgendein Community-Zeug registireren, dann war mir das aber auch egal.

Im Oktober 2012 gehe ich zum A1-Shop und sage, dass ich meinen Vertrag kündigen möchte. Das Ergebnis schreibe ich am 8. Oktober ins Internet: und im a1-shop hab ich gesagt ich will meinen vertrag kündigen und der a1-mann der sagt da muss ich einfach ein fax schicken ich frag ob das auch anders geht weil ich habe doch kein fax-gerät und der a1 mann der und der a1-mann und der mann von a1 sagt zu mir ich kann auch einen brief schreiben

Ich schreibe natürlich keinen Brief, ich habe nicht einmal Briefkuverts daheim und überhaupt, wieder etwas worüber sich niemand aufregt: Das ist ein Mobilfunkbetreiber bzw. ein Kommunikationsanbieter des 21. Jahrhunderts ist kann in bestimmten Fällen nur brieflich kommunzieren?

Heute habe ich dann im A1-Shop ein bob-Startpaket gekauft und frage, was ich dafür tun muss, „Irgendwas entsperren?“ habe ich gefragt und der A1-Mensch der sagt „Nein, das geht einfach so. Sim-Karte einstecken und Anweisungen befolgen“. Und dann stecke ich die SIM-Karte rein und nichts geht.

Einschub: „im A1-Shop ein bob-Startpaket“? Ja, das geht tatsächlich und ist überhaupt nichts komisches dran für die A1-Menschen, ob Bob oder A1, ist eh alles Telekom. Das ist so, wie wenn man in Klagenfurt in die SPÖ-Zentrale gehen möchte und dafür durch die Räume der Kärnter-Tageszeitung durchgehen muss, weil es keinen anderen Eingang gab. Kommt das irgendwem komisch vor? Nein. (wie mir eine vertrauenswürdige R. erzählt hat; mittlerweile ist die Kärnter-Tageszeitung, KTZ umgezogen).

Mein Beschränkungspasswort muss ich eingeben, ich weiß nicht, was ein Beschränkungspasswort ist, suche im Internet und lese, dass mein Handy vermutlich doch nicht freigeschalten ist (was auch immer „freigeschalten“ für eine Bedeutung haben soll in diesem Zusammenhang) für einen Netzbetreiberwechsel. Ich suche im Internet und finde folgendes heraus:

Das Telefon muss „freigeschalten“ sein. Das bedeutet, dass die Software des Mobiltelefons so konfiguriert ist, dass nur Simkarten eines bestimmten Betreibers akzeptiert werden. Und darüber empört sich niemand, frage ich mich.

Es gibt Handyshops, die einen Entsperrservice anbieten, das kostet zwischen 10 und 25 Euro, ich google weiter und finde www.entsperren.at. Da kann man sich das Telefon selbst freischalten (?). Dafür brauch man die IMEI-Nummer, eine eindeutig einem Mobiltelefon zugeordnete Nummer, Seriennummer quasi, die in der Regel im Mobiltelefon unter dem Akku abgedruckt ist … ich habe ja noch so ein altes Telefon, bei dem man den Akku entfernen kann. Ohne das Telefon aufzumachen, kann man die IMEI-Nummer mit der Eingabe von
*#06#
anzeigen lassen.

Man gibt diese Nummer ein, seinen Netzbetreiber etc. und kommt zu folgender Ansicht:


auf der sieben mögliche Beschränkungspasswörter zu sehen sind. p und w kann ich mit der *-Taste eingeben. Funktioniert haben die Codes leider nicht.

Es folgt (morgen?) die Fortsetzung und die darin enthaltene Geschichte der Mobilepoints.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Freitag, 28. Dezember 2012

Freitag, 14. Dezember 2012